Wie werde ich...? Die gute Fee an Bord - Als Hostess auf dem Kreuzfahrtschiff
Von Andreas Heimann, dpa
Bonn/Hamburg (dpa/gms) - Irgendwas geht an Bord immer schief. Und wenn es nur die verlegte Sonnenbrille ist, die ein Kreuzfahrt-Passagier vermisst. Gut, wenn es dann jemanden gibt, der für solche Probleme zuständig ist. Gefragt sind dafür Persönlichkeiten mit einem Händchen für Organisation, die auch bei Stress die Ruhe bewahren und selbst auf ausgefallene Wünsche nie ausfallend reagieren.
Eine einheitliche Bezeichnung für solches Personal gibt es nicht. «Früher hieß das mal Kummertante, heute klingen die Bezeichnungen dynamischer», sagt Johann Zurnieden vom Schifffahrtsausschuss des Deutschen Reiseverbandes (DRV). «Mal heißt es Butler, mal Concierge oder Hostess», so der Geschäftsführer des Veranstalters Phoenix Reisen in Bonn. «Bei uns heißen sie schlicht Reiseleiter.» Je nach Reederei oder Veranstalter sind sie fest angestellt oder haben so genannte Schiffsverträge zum Beispiel für ein halbes Jahr.
Eigentlich sollte man meinen, Passagiere auf der «Queen Mary 2» müssten wunschlos glücklich sein. Als der Luxusliner vor zwei Jahren erstmals den Atlantik überquerte, war er das größte und teuerste Passagierschiff der Welt - das teuerste ist er noch heute. Die Innenausstattung von den mit Teakholz verkleideten Gängen bis zu den fünf Swimmingpools gilt als verschwenderisch. Und nicht jede Studenten-WG ist so groß wie die geräumigeren «QM2»-Kabinen. Trotzdem gibt es immer wieder Gäste, die noch etwas auf dem Herzen haben. Dann ist Isabelle Bastian gefragt.
Die gelernte Hotelfachfrau ist als Hostess auf dem Ozeanriesen und damit Ansprechpartnerin Nummer eins für alle erdenklichen Sorgen und Nöte, die an Bord auftauchen können. Kundenwünsche zu erfüllen, ist die 26-Jährige gewohnt, die unter anderem in der Schweiz in mehreren Hotels gearbeitet hat und fünf Sprachen spricht. Auf der «QM2» ist sie als German Hostess allerdings vor allem für die deutschsprachigen Gäste zuständig.
Ein Ausbildungsberuf ist Hostess nicht. Erfahrung in der Hotelbranche ist nicht ungewöhnlich. «Fundierte touristische Fachkenntnisse sind absolute Voraussetzung», sagt Negar Etminan, Pressereferentin bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Hamburg.
«Qualifikationen, die an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gebraucht werden, gehören auch für Hotelfachleute zur Ausbildung», ergänzt Stefanie Heckel, Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin. «Flexibilität zum Beispiel, ein hohes Maß an Belastbarkeit, die Fähigkeit zu organisieren und zu improvisieren.» Auch viele Hotels haben Mitarbeiter im so genannten Guest Relation Management - genau das, wofür Isabelle Bastian auf der «Queen Mary 2» verantwortlich ist.
Bei den Kreuzfahrtreedereien sind die Zuständigkeiten dafür unterschiedlich verteilt. Auf den Schiffen von Transocean Tours zum Beispiel gibt es sie nicht. Auf der «MS Astor» fährt seit diesem Frühjahr allerdings ein Concierge mit. «Der hat gegenüber der Rezeption seinen eigenen Tresen», sagt Reederei-Sprecher John Will, «und ist Ansprechpartner für individuelle Wünsche, vor allem, was das Ausflugsprogramm betrifft.» Wer beim nächsten Landgang einen Mietwagen braucht, einen Stadtplan oder für abends Theaterkarten, bespricht das mit dem Concierge an Bord. «Der organisiert das dann per Telefon oder E-Mail.»
«Wo wir in Lissabon oder Manaus die Windeln für die Kleinkinder an Bord bekommen, wird allerdings schon vor der Abreise geklärt», sagt Will. Viele Wünsche seien eben viel einfacher zu erfüllen, wenn sie nicht erst auf hoher See bekannt werden. «Wir haben einen Gast, der isst bevorzugt Spaghetti - allerdings mit einem ganz bestimmten Parmesan. Den besorgen wir dann.»
Vom Concierge wird auch bei Hapag-Lloyd erwartet, dass er schnell und diskret die Wünsche seiner Gäste erfüllt - selbst wenn von einem Tag auf den anderen noch ein Tisch in einem New Yorker Restaurant gebucht werden soll, das üblicherweise auf Monate im Voraus ausgebucht ist. Weltweite Kontakte sind deshalb unverzichtbar.
«Wir hatten auf der "Queen Mary" mal einen Passagier, der sich unbedingt Kobe-Beef zum Essen gewünscht hat», erzählt Cunard-Sprecher Ingo Thiel. «Das stammt von Rindern, die täglich mit Bier massiert werden und soll superzart sein, kostet aber auch 250 Dollar das Kilo.» Das Fleisch hat Cunard dann extra aus Japan einfliegen lassen. In der Mehrzahl sind die Anliegen, mit denen sich Passagiere an Hostessen wie Isabelle Bastian wenden, aber eher alltäglich.
«Das fängt mit der vergessenen Zahnbürste an und endet beim verlorenen Ehering», sagt Thiel. Oft ist Kreativität gefragt, wie im Fall der aufgeregten Dame, die auf der «MS Europa» an den Kapitänstisch geladen wurde, aber ihre schwarzen Schuhe zu Hause gelassen hatte. Der Concierge hat das Problem auf seine Weise gelöst - und mit schwarzer Schuhcreme ein weißes Paar Schuhe entsprechend umgearbeitet. Die Passagierin war glücklich, dem Kapitän ist nichts aufgefallen.
Auf der «Queen Mary 2» ist die Hostess beispielsweise auch für die Bordzeitung verantwortlich. Sie informiert die Passagiere über das Schiff, begleitet Ausflüge und plaudert abends an der Bar mit Gästen, die jemanden brauchen, der ihnen zuhört. «Mittags haben die Hostessen in der Regel länger frei», sagt Cunard-Sprecher Ingo Thiel. «Dafür haben sie aber sieben Tage die Woche zu tun und selten früh Feierabend.»