Check-In und Ramp-Agent: Flughäfen bieten eine Vielzahl von Berufen
Von Heiko Stolzke, dpa
Hamburg/Frankfurt/Main (dpa/gms) - Hektik zwischen Landung und Start: Mitarbeiter an Verkehrsflughäfen müssen nicht nur Serviceprofis sein, sondern auch zahlreiche technische Abläufe sicher beherrschen. «Ein offenes Wesen und Belastbarkeit sind Grundvoraussetzungen», sagt Renate Jakstat-Peill, Leiterin der Personalentwicklung und Ausbildung am Flughafen Hamburg.
Das Spektrum der Berufe an regionalen und internationalen Flughäfen ist vielseitig. Dabei gibt es neben Stellen für Hochschulabsolventen auch zahlreiche Ausbildungs- und Berufsperspektiven für Haupt- und Realschüler. Arbeitgeber sind neben den Flughafengesellschaften vielfach Airlines, die eigenes Servicepersonal beschäftigen.
«Kundenorientierung, ein dickes Fell und viel Erfahrung», so beschreibt Silke Ruthotto von Singapore Airlines (SIA) in Frankfurt die Anforderungen. Die gelernte Reiseverkehrskauffrau betreut mit ihrem Team Flugpassagiere bei Abfertigung und Einsteigen ins Flugzeug oder beim Umsteigen auf Anschlussverbindungen.
Rollt ein Flugzeug nach der Landung an seine Parkposition, laufen alle Fäden beim so genannten Ramp-Agent zusammen. Er oder sie koordiniert Abfertigung, Aus- und Einladen der Koffer, Putzkolonnen, Auftanken und technischen Service. Voraussetzung für diese Tätigkeit ist in vielen Fällen eine Ausbildung zum «Servicekaufmann oder -kauffrau im Luftverkehr».
«Die Ausbildung umfasst einerseits kaufmännische Grundlagen oder die Funktion von Reservierungssystemen, aber auch technische Aspekte», erklärt Jakstat-Peill. «Das ist aber kein warmer Bürojob. Es geht auch bei Wind und Wetter raus aufs Vorfeld», sagt die Personalexpertin vom Flughafen Hamburg. Schließlich sollen die Flugzeuge auch bei Regen, Schnee und Schmuddelwetter pünktlich zu ihren Zielen abheben.
Andererseits bietet der Arbeitsplatz die Chance zum Kontakt mit Menschen aus vielen Kulturkreisen. «Internationalität ist Programm», sagt Jakstat-Peill. Das sind für den Ramp-Agent die Flugzeugbesatzungen aus aller Welt, während sich Servicemitarbeiter um die Wünsche von Reisenden aus vielen Ländern kümmern. «Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, aber es gibt auch entsprechende Lehrgänge, die weiterhelfen», erklärt SIA-Serviceexpertin Ruthotto.
Bei Verspätung oder Sonderwünschen sind Mitarbeiter am Check-In oder bei der Abfertigung erste Ansprechpartner. Sie müssen aufgebrachte Reisende besänftigen, die sich mit goldenen Kundenkarten wichtigtun oder Beschwerdebriefe androhen. Außerdem koordinieren sie Hotelreservierungen und Flug-Umbuchungen von Passagieren bei extremen Verspätungen. «Wir sind ein eingespieltes Team, aber es ist kaum Routine dabei», schildert Ruthotto den Alltag an großen Verkehrsflughäfen. Schließlich wirken sich Wetter, technische Probleme, verspätete Weiterflüge und viele andere Faktoren jeden Tag aufs Neue beim Planen der Flugzeugabfertigung aus.
Über ein weit verzweigtes internes Kommunikationsnetz tauschen die Mitarbeiter bei den Fluggesellschaften Informationen über die Anschlussflüge aus. Fliegt zum Beispiel ein Reisender zu spät in Deutschland ab, dann müssen unter Umständen auch seine Anschlussflüge viele Stunden später in Neuseeland oder Südamerika umgebucht werden.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg beträgt die Ausbildungsvergütung beispielsweise für Servicekaufleute im Luftverkehr rund 700 Euro pro Monat. Die Vergütung später richtet sich nach Erfahrung, Einsatzgebiet und Region. In der Regel dauert die Ausbildung drei Jahre. Weiterbildungsmöglichkeiten bieten sich später zum Beispiel als Betriebswirt in kaufmännischen oder organisatorischen Arbeitsfeldern von Flughäfen und Airlines.
Neben den Ausbildungsberufen, die speziell auf die Flugabfertigung zugeschnitten sind, bieten Flughäfen auch Arbeitsplätze in anderen Bereichen. «Das sind zum Beispiel Elektriker, die unsere Anlagen reparieren - oder auch viele Mitarbeiter in der Verwaltung», erklärt Jakstat-Peill. Auch hier steht Internationalität im Mittelpunkt. «Wer im kaufmännischen Bereich mit einer ausländischen Fluggesellschaft zusammenarbeitet, muss entsprechende Offenheit mitbringen - und gute Englischkenntnisse», sagt die Personalexpertin.