Wie werde ich...? Gut organisierte Logistiker haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Von Verena Wolff, dpa

Hamm/Saarbrücken (dpa/gms) - Wenn Waren organisiert, verpackt und verschickt werden müssen, kommt kein Unternehmen ohne Logistiker aus. Sie schlagen in Häfen, Speditionen sowie Materialdepots von Großunternehmen, Mittelständlern und Handelshäusern Waren um. «Die Logistik ist mit über 2,6 Millionen Arbeitnehmern die drittgrößte Branche in Deutschland», sagt Ulrich Franke, Marketingleiter der neu gegründeten Hochschule für Logistik und Wirtschaft in Hamm.

Die öffentliche Hochschule in privater Trägerschaft ist nicht der einzige mögliche Studienort für angehende Logistiker. «Es gibt etwa 80 Studiengänge, die meisten davon Betriebswirtschaft oder Ingenieurwesen mit Vertiefung in Logistik», erläutert Franke. In Hamm am Rand des Ruhrgebietes, einem der zentralen Umschlagsorte in Deutschland, wurde von einem der deutschen Logistik-Pioniere ein reines Logistik-Studium entwickelt. «Reinhardt Jünemann, international renommierter Logistik-Experte, ist Gründungsrektor und hat den Studiengang entwickelt», sagt Franke.

Mit den Fachkräften für Lagerlogistik, einem neuen Ausbildungsberuf, ist es in der Wachstumsbranche nicht getan: «Der Bedarf an Führungskräften ist groß», sagt Renate Kraft, Sprecherin der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Brühl bei Köln, an der ebenfalls Logistiker für die Führungsebenen ausgebildet werden.

«Zu den Schlüsselqualifikationen zukünftiger Führungskräfte in der Logistik zählen Praxiskenntnisse, internationale Erfahrungen, technisches und betriebswirtschaftliches Know-how sowie interkulturelle Kompetenzen einschließlich Fremdsprachen», fasst Gründungsrektor Jünemann die Anforderungen zusammen. Während an der Hochschule in Hamm in Vollzeit oder Teilzeit ausgebildet wird - sechs Semester am Ort oder zehn Semester Fernstudium in Hamburg, Hamm, Heidelberg, Köln und Leipzig - bietet die EUFH ein Studium an, bei dem sich die Schulabgänger gleichzeitig zum Speditionsfachmann ausbilden lassen.

«Das stellt für einen Studierenden während der ersten vier Semester eine zeitliche Mehrbelastung von etwa acht bis zehn Wochenstunden dar», sagt Kraft. Dafür gibt es neben dem Bachelor auch einen IHK-Abschluss. Die Firmen haben die Absolventen der rheinischen Einrichtung gern - sie ersparen sich die oft mühsame Einarbeitung eines Hochschul-Abgängers.

In Brühl werden die Logistikmanager vor allem für den internationalen Markt ausgebildet. Ein Auslandssemester gehört ebenso zum Lehrplan wie intensives Fremdsprachentraining. «Die Studierenden verbringen Zeit im Ausland, um ihren Horizont nicht nur in fachlicher, sondern auch in interkultureller Hinsicht zu erweitern.»

Gesteigerten Wert auf Mehrsprachigkeit legt auch die Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Der dort angebotene Diplom-Studiengang «Logistik/Logistique» soll vor allem Studierende aus der Grenzregion ansprechen. Zwei Jahre wird im französischen Metz die Hochschulbank gedrückt, zwei Jahre im Saarland. «Die Abschlussarbeit muss in der Sprache verfasst werden, die nicht Muttersprache ist», sagt Fachvertreter Rudolf Large. Die Ausbildung ist breit angelegt: «Wirtschaft, Informatik, Technik, Recht - alles kommt vor.»

In Brühl berücksichtigt der Studiengang die ganze Bandbreite der Logistik. «Die strategischen Gesichtspunkte der Logistik sind genauso Studieninhalte wie alle funktionalen Teile: Distributions-, Produktions- und Beschaffungslogistik, Marketing und Vertrieb, Materialwirtschaft und technische Logistik», erläutert Kraft. Die «Soft Skills», Managementtechniken und Training sozialer Kompetenz, stehen ebenfalls auf den Lehrplänen.

Die «Soft Skills» seien ohnehin in diesem Job sehr wichtig, sagt Bernd Albrecht, Geschäftsführer der Berufsakademie Rhein-Main in Frankfurt. «Logistiker sind die Schnittstellen zwischen Kunden und Lieferanten.» Da müsse auch gelegentlich ein Konflikt ausgetragen werden. «Allzu zart besaitet sollte man in dem Job nicht sein - man muss, gerade in kleinen Unternehmen oder bei Mittelständlern, auch mal mit anpacken», sagt er.
Einige Berufsakademien bieten eine vertiefte Ausbildung zum Logistiker an. «Das ist ein Wechsel zwischen Präsenzphasen im Ausbildungsbetrieb und in der Akademie», erläutert Albrecht. Inzwischen seien die Akademiker in den Führungsetagen nicht mehr nur unter sich. «Unsere Ausbildung ist eine gute Basis zum Aufstieg.»

Allen Studierenden eines der zahlreichen Logistik-Studiengänge ist eines gemein - wenn sie sich bereits auf dem Arbeitsmarkt umgeschaut und etwa durch Praktika Kontakt zu Firmen geknüpft haben, bieten sich ihnen gute Einstiegschancen. «Gesucht werden Leute, die eben nicht nur Transport-, sondern auch IT- und Prozesskenntnisse mitbringen», sagt Kraft. Zudem müssten sie das Potenzial haben, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, sagt Franke. «Logistik ist was für deutsche Tugenden - Organisieren und Pünktlichkeit, darin sind wir gut.»