Jobben als... Jugendliche in der Gastronomie - Jobs mit vielen Kontaktchancen
Von Constantin von Cossel, dpa
Hamburg/Bremen (dpa/gms) - Ob als Kellner oder als Barkeeper - viele Schüler und Studenten arbeiten nebenbei in der Gastronomie. Der Job erfordert nicht nur Kenntnisse im Bierzapfen. Oft wird bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet. Das volle Tablett muss zu den jeweiligen Tischen transportiert werden, kein Gast darf zu kurz kommen. Schließlich erzählen Fremde an der Bar ihre Probleme - da sind gutes Zuhören und Verständnis gefragt.
Die 19-jährige Insa aus Bremen arbeitet als Servicekraft in einem Café. Der Abiturientin macht die Arbeit Spaß. Sie verdient regulär 6,50 Euro die Stunde «Aber mit Trinkgeld sind es in der Regel 8 Euro.» Wegen des Abiturs könne sie nicht mehr ganz so viel arbeiten, erzählt die Bremerin, aber vorher waren es bis zu 30 Stunden im Monat. Den Job hat sie über einen Freundin gefunden. «Das Arbeitsklima bei uns ist sehr entspannt», sagt die 19-jährige. Oft ist sie einzige Servicekraft im Café. «Dann gibt es aber Leute, die mir ihr komplettes Leben erzählen.»
Noch anspruchsvoller ist der Job des Barkeepers. Zwar ist keine spezielle Ausbildung nötig, sagt Andrea Pirwitz, Geschäftsführerin der Deutschen Barkeeper-Union in Hamburg. «Mathematik gut beherrschen und 200 Rezepte im Kopf haben» nennt Pirwitz zwei Voraussetzungen. Außerdem sollten mindestens englische Sprachkenntnisse vorhanden sein, damit auch ausländische Gäste nicht zu kurz kommen.
Mittlerweile gibt es sogar spezielle Schulen, die eine «Barkeeper-Ausbildung» anbieten. Die Barschule in Rostock bietet vom Grundkurs, über Barzauberei und American Bartender bis hin zum Barmeister verschiedene Ausbildungen an. «Das Ziel der Meisten sei es, Barmeister zu werden», erläutert Antje Gühlken, Dozentin an der Barschule Rostock. Die Ausbildung zum Barmeister ist mit fünf Wochen die längste, setzt allerdings eine Ausbildung zum Restaurant- oder Hotelfachmann voraus.
Viele Jugendliche und besonders Studenten arbeiten aber auch für einen Catering-Service. Voraussetzung sei Erfahrung im Servicebereich, sagt Wolfgang Finken, Bundesgeschäftsführer vom Party Service Bund Deutschland in Syke. «Servicekräfte ohne Ausbildung, werden auf den kleineren Veranstaltungen eingesetzt.» Die Löhne variieren zwischen fünf und 20 Euro, je nach Qualifikation der einzelnen Personen an. Zudem gibt es eine Altersgrenze. «Wir stellen erst ab 18 aufwärts ein».
Viele Events finden am Wochenende statt, deshalb ist das Angebot auch attraktiv für Nebenjobber, sagt Farid Michael Schöning vom Catering-Servive Aramark in Neu Isenburg (Hessen). Auch er legt Wert darauf, dass die Servicekräfte schon Erfahrungen haben. Daneben gebe es ein Weiterbildungsprogramm. Bei Aramark arbeiten alle Personengruppen: «Vom Schüler über den Rentner bis zum Nebenjobber», so Schöning. Die Zusammensetzung ist dabei international.
Auch über das Internet werden inzwischen zahlreiche Nebenjobs in der Gastronomie angeboten, zum Beispiel unter www.hotel-career.de. Vom Servicemitarbeiter im Berliner Café bis hin zum Kellner auf den Kanaren können dort rund 3400 Stellenangebote eingesehen werden. Als Einsatzort können neben diversen Ländern auch Kreuzfahrtschiffe ausgewählt werden. Außerdem werden außer den normalen Kellnerjobs auch Saisonjobs in Ferienclubs weltweit angeboten.
Es dürfen allerdings nicht alle Jugendlichen arbeiten, wie sie wollen. Ab dem 15. Geburtstag darf acht Stunden am Tag und maximal 40 Stunden die Woche gearbeitet werden. Allerdings gib es in bestimmten Bereichen Ausnahmen. Im Gastronomiebereich darf ab dem 16. Lebensjahr bis 22.00 Uhr gearbeitet werden. Erst ab dem 18. Lebensjahr gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz nicht mehr.
Ob Ferienjob oder Nebenbeschäftigung im Studium - es gibt laut den Experten genug Angebote. Oft reicht ein gepflegtes Äußeres und eine freundliche Art. Die 19-jährige Insa aus Bremen hat allerdings beschlossen, mit dem Kellnern nach dem Abi aufzuhören und sich auf andere Dinge zu konzentrieren. «Vielleicht fange ich zum Studium wieder an.» Doch eins ist sicher - in ihrem Café wird wieder ein Job frei.