Wie werde ich... Fluglehrer sind Spezialisten für Sicherheit zwischen Himmel und Erde
Von Heiko Stolzke, dpa
Schönhagen/Nürnberg (dpa/gms) - Ob Segelflugzeug oder großer Airbus - der Weg ins Cockpit führt immer über zahlreiche Lehrstunden mit einem Fluglehrer. Dessen Berufsbild ist so unterschiedlich wie die Flugzeuge: Einerseits sind ehrenamtliche Lehrer bei Luftsportvereinen im Einsatz, andererseits beschäftigen große kommerzielle Flugschulen hoch qualifizierte Spezialisten für das Training von professionellen Piloten.
«Der Fluglehrer legt die Grundlagen dafür, dass ein Pilot sein Leben lang möglichst sicher fliegt», sagt Volker Thomalla, Chefredakteur der Fachzeitschrift «Aerokurier» mit Sitz in Bonn. Erste fliegerische Erfahrungen sammeln angehende Piloten meist an Bord von einmotorigen Propellerflugzeugen. «Gemeinsam mit dem Lehrer werden alle wichtigen Manöver trainiert, bevor ein Flugschüler allein abheben darf», erklärt Klaus-Jürgen Schwahn, Geschäftsführer des Flugplatzes Schönhagen bei Berlin und selbst erfahrener Fluglehrer.
Dann ist der Ausbilder aber nicht aus der Verantwortung. Er betreut den Schüler bis zu seinem abschließenden Prüfungsflug mit einem Spezialisten der Luftfahrtbehörde. «Eins steht immer an erster Stelle: Sicherheit ist oberstes Gebot», betont Schwahn. Zur praktischen Ausbildung im Flugzeug kommt umfangreiches Theoriewissen, das der Lehrer angehenden Piloten vermittelt: Meteorologie, Flugzeugtechnik, Luftrecht und Notverfahren stehen auf dem Stundenplan. «Zur Fluglehrerschulung gehört aber auch ein pädagogischer Ausbildungsteil», sagt Schwahn.
«Der Fluglehrer muss den Schüler für alle Bereiche fit machen, dazu gehört auch viel Theorie», sagt Thomalla. Dabei lernen die Schüler auf unterschiedlichen Wegen: Einerseits gibt es Unterricht im Klassenzimmer an der Flugschule, aber auch vertiefende Computersoftware oder Lehrbücher. Auch im Zeitalter der Satellitennavigation per GPS müssen Flugschüler noch lernen, nach Karte und Kompass zu steuern und zuvor die Kurse berechnen.
Nach der Basisausbildung spezialisieren sich die Lehrer häufig auf eine bestimmte Flugzeugkategorie oder Flugverfahren. Fluglehrer bei Vereinen oder Sportgruppen schulen meist angehende Segelflieger oder Privatpiloten, die nach so genannten Sichtflugregeln unterwegs sind. Wer auch bei schlechtem Wetter starten möchte oder ein größeres Flugzeug steuern will, darf dies nur mit einem entsprechend qualifizierten Lehrer üben.
«Die Regeln sind streng, Fluglehrer müssen immer wieder ihre Kenntnisse bei speziellen Kontrollen nachweisen», sagt Schwahn. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg dauert die Ausbildung je nach Unterrichtsfortschritt und Lehrberechtigung mehrere Monate. Die Arbeitszeiten richten sich später oft nach den Wetterbedingungen - bei der Schulung für kleinere Maschinen findet die Theorie meist im Winter statt, und das Praxistraining läuft bei gutem Wetter zwischen Frühling und Herbst.
Festgelegte Tarifverträge gibt es nur dann, wenn ein Fluglehrer zum Beispiel bei einer Behörde, einem großen Unternehmen oder im öffentlichen Dienst angestellt ist. Ansonsten richtet sich die Vergütung nach individuellen Vereinbarungen. «Viele Fluglehrer sind auch Freiberufler oder haben einen anderen Hauptjob. Sie arbeiten dann nebenbei auf Stundenbasis an einer Schule», erklärt Schwahn.
Piloten müssen ein Leben lang lernen. «Deshalb beschäftigen zum Beispiel große Fluggesellschaften spezielle Trainingskapitäne», sagt Volker Thomalla. Dann geht es aber nicht nur um die technische Beherrschung von Flugzeugsystemen oder um Abläufe beim normalen Flug und in Notfällen. Zusätzlich steht auch Training für die richtige Arbeitsaufteilung im Cockpit auf dem Lehrplan. «Einweisung durch den Fluglehrer ist der gemeinsame Nenner von Privatpiloten und Airliner-Kapitänen», sagt der Luftfahrt-Experte.