Wie werde ich... Für den Fischwirt ist Angeln nur ein Hobby

Von Horst Heinz Grimm, dpa

Berlin/Starnberg (dpa/gms) - Fisch gehört seit jeher zu den Grundnahrungsmitteln der Menschen. Die Deutschen verbrauchen derzeit rund 1,2 Millionen Tonnen im Jahr, von denen der überwiegende Teil aus Importen stammt. Doch auch die deutschen Gewässer liefern Fische für die Tische - beispielsweise die zu Weihnachten traditionell beliebten Karpfen, außerdem Aale, Forellen und andere Schuppentiere. Für die reibungslose Versorgung mit diesem wichtigen Nahrungsmittel sind neben anderen Profis auch Fischwirte verantwortlich.

«Fischwirt ist ein hoch professioneller Beruf, die Ausbildung und die Anforderungen werden oft unterschätzt. Mit Angeln hat er nichts zu tun», erklärt Martin Lambers, Bildungsreferent des Verbandes der Landwirtschaftskammern in Berlin. Unter der Bezeichnung Fischwirt sind drei Berufsgebiete mit höchst unterschiedlichen Tätigkeiten zusammengefasst. Zur Auswahl stehen die Schwerpunkte Fischhaltung und Fischzucht, Seen- und Flussfischerei sowie Kleine Hochsee- und Küstenfischerei.

Drei Jahre dauert die Ausbildung, die mit der Gesellenprüfung endet. Neben der Praxis im Betrieb findet die berufskundliche Ausbildung meist im Blockunterricht an Fischereischulen in Albaum, Rendsburg, Königswartha und Starnberg sowie an den Berufsschulen in Eckernförde und Hannover statt. Der Berufsnachwuchs lernt zum Beispiel Details über Fische, Krebstiere und Muscheln, Fanggebiete, Schonzeiten und den Schutz der Umwelt.

Die Vergütung beträgt nach regionalen Tarifen zwischen etwa 450 Euro im ersten und etwa 600 Euro im dritten Lehrjahr. Dazu können Zulagen kommen. Die Verdienstmöglichkeiten nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung richten sich nach dem jeweiligen Arbeitseinsatz.

So unterschiedlich wie die Berufsrichtungen sind auch die Anforderungen. Abgeschlossene Schulbildung (Hauptschule oder Realschule) ist erwünscht, doch haben junge Leute ohne Topzeugnis, aber mit entsprechender persönlicher Eignung Chancen auf eine Lehrstelle. «Schulnoten sind nicht immer aussagekräftig», meint Lambers. Es komme auf die persönliche Ausbildungsreife und Bereitschaft zum Lernen und Arbeiten an.

Derzeit werden insgesamt etwas mehr als 300 angehende Fischwirte ausgebildet. Nur 9 von ihnen sind Frauen. Ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz sind gut. «Fähige Leute werden gesucht», beschreibt Lambers den Arbeitsmarkt. Die beruflichen Aussichten steigen mit der Bereitschaft zur Weiterbildung. Damit kann dann der Fischwirt nach drei Jahren Praxis die Prüfung zum Fischwirtschaftmeister ablegen. Etwa 30 Prozent machen davon Gebrauch.

Fast 60 Prozent der Auszubildenden haben sich für den Bereich Fischhaltung und Fischzucht entschieden. Sie sollen später auch dafür sorgen, dass die Tiere sich in Teichanlagen vermehren und gesunde Jungfische in Gewässern zur Bestandserhaltung ausgesetzt werden. Ein regionaler Schwerpunkt für die Schulung in Aquakultur ist Bayern. «Fischwirt ist ein Beruf mit Zukunft», erklärt Hermann Bayrle, Ausbildungsleiter der Bayerischen Landesanstalt für Fischerei in Starnberg.

Er rät Interessenten, mindestens ein Jahr vor einer Entscheidung ein Praktikum machen, am besten in zwei Betrieben. Es sollte nicht in der «Biergartenzeit» liegen, wenn das Wetter schön ist und der Beruf sich von seiner angenehmen Seite zeigt. «Wenn die harte Arbeit ansteht, beispielsweise beim Abfischen eines Teiches, lernt man den Berufsalltag kennen.» Bayrle macht auf einen weiteren wichtigen Punkt aufmerksam: «Den Wohnsitz diktiert der Beruf, man muss jeweils dort arbeiten, wo die Fische sind.» Zu den Tätigkeiten gehört auch die Verarbeitung: Die Tiere müssen geschlachtet, geschuppt, ausgenommen und konserviert werden.

In Starnberg erhalten ebenfalls die wenigen Auszubildenden des Bereichs Seen- und Flussfischerei ihren Unterricht. Diesem traditionellen Beruf wird fast ausschließlich in Familienbetrieben nachgegangen, aus denen die Lehrlinge stammen.

«Ein ganz spezieller Bereich ist die Kleine Hochsee- und Küstenfischerei», sagt Lambers. «Nicht jeder kann auf einem Kutter arbeiten.» Etwa 30 Prozent der Auszubildenden entscheiden sich für einen solchen Arbeitsplatz. Unter ihnen ist keine Frau. «Bewerber müssen körperlich und gesundheitlich fit sowie seetauglich sein», erklärt Heiko Dauster von der Landwirtschaftskammer für Schleswig-Holstein in Kiel.

Muskelkraft ist zwar gefragt, doch allein nicht ausreichend. «Geistig rege und bereit zur Fortbildung sein», nennt Dauster als Grundvoraussetzung. «Sonst verrichtet man Handlangerdienste an Bord.» Die Ausbildung ist vielseitig. Außer den Bereichen Fisch und Fischerei stehen Nautik und Motorenkunde auf dem Plan. Wenn der Kutter aus dem Hafen ausgelaufen ist, bestimmen Ebbe und Flut den Arbeitsrhythmus und nicht die Uhr. Nachtarbeit fällt an, die Fahrten dauern mehrere Tage.