Neue Berufe - Verlagskaufleute werden Medienkaufleute - bleiben aber bodenständig
Von Britta Schmeis, dpa
Bonn/Hamburg (dpa/gms) Die Verlagskaufleute haben eine Verjüngungskur bekommen: Seit dem 1. August heißen sie Medienkaufleute mit dem Zusatz «Digital und Print». Die neue Berufsbezeichnung soll den Bezug zur Branche bereits im Namen zum Ausdruck bringen. Außerdem erhält das neue Berufsbild eine «funktions- und aufgabenorientierte Ausrichtung», erklärt der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin, der an der Neuordnung mitgewirkt hat. So soll sich die Ausbildung nicht wie bisher auf Zeitschriften, Zeitungen und Bücher beschränken, sondern sich auch der digitalen Welt öffnen sowie Dienstleistungen wie «Eventplanung» einschließen.
«Der Fokus liegt auf Kunden- und Prozessorientierung», erklärt Heike Krämer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Doch trotz des neuen Zeitgeistnamens stellen Bildungsexperten klar: «Der Beruf ist und bleibt ein kaufmännischer.»
«Bisher haben die meisten Verlagskaufleute in erster Linie in der Anzeigenabteilung oder im Vertrieb gearbeitet», sagt die Leiterin der Personalbetreuung des Hamburger Jahreszeiten-Verlages, Kathrin Jacob. Das bliebe wohl auch erst mal so. «Der Beruf ist etwas für Bodenständige.» Allerdings lernten die Auszubildenden in der Regel die ganze Palette über Marketing, Controlling bis hin zur Redaktion kennen. «Bei uns können sie sich einen Titel als "Heimathafen" aussuchen», erklärt Jacob von dem Verlag, in dem Zeitschriften wie «Für Sie», «Vital» und «Der Feinschmecker» erscheinen.
Gleichzeitig lege der Verlag Wert darauf, dass die Auszubildenden verschiedene Medien kennen lernen. «Schließlich macht es einen Unterschied, ob man Anzeigen für ein Stadt- oder ein Premiummagazin verkauft», sagt die Personalbetreuerin.
Doch auch kleinere Verlage, die nicht ein so umfangreiches Repertoire bieten, haben für Auszubildende ihren Reiz. «Ich bin sehr nah am Kunden dran, bekomme sehr viel mit und darf vieles selbst machen», sagt Bastian Glumm aus Solingen, der bei einem Düsseldorfer Fachverlag seine Ausbildung macht. «Es gibt auch sehr viele kleine Buchverlage, die sehr ambitioniert sind und ihren Azubis eine sehr umfassende Ausbildung bieten», sagt Heike Krämer vom BIBB. So gehöre gerade bei Buchproduktionen die Autorengewinnung und betreuung, der Herstellungsprozess, Marketing und Vertrieb zu den Aufgaben der Medienkaufleute. «Die Auszubildenden sollen den ganzen Prozess kennen lernen und begleiten können», sagt Krämer.
Drei Jahre dauert die duale Ausbildung in der Regel, mit der Möglichkeit auf zweieinhalb Jahre zu verkürzen. Für Abiturienten ist von vorneherein eine verkürzte Ausbildungszeit vorgesehen. Und der Anteil der Abiturienten ist hoch: Knapp 74 Prozent der Azubis im Jahr 2004 hatten die allgemeine Hochschulreife, belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. «Das Ausbildungsniveau und die Ansprüche sind hoch», sagt Krämer.
«Medienkaufleute müssen sehr kommunikativ sein, nicht nur für den Kundenkontakt, sondern auch für die Arbeit innerhalb des Unternehmens», sagt Krämer. Zudem seien ein gewisses Maß an Organisationstalent und Flexibilität Voraussetzung für den Job. Schließlich zeigten sich in der Medienbranche zunehmend Globalisierungseffekte. «Da kann es auch mal sein, dass ein Verlag eine Medienkauffrau für eine gewisse Zeit zu einem Tochterunternehmen schickt oder zu einem neu erworbenen Titel.»
Für Kathrin Jacob vom Jahreszeiten-Verlag sind zudem die gängigen Höflichkeitsformen eine Grundvoraussetzung. Bei einem eintägigen Assessment-Center wählt der Jahreszeitenverlag seine Auszubildenden aus, die in der Mehrheit weiblich sind. «Der Frauenanteil ist bei den Verlagskaufleuten oder jetzt Medienkaufleuten extrem hoch», sagt Krämer. Im Jahr 2004 waren 74 Prozent der Auszubildenden Frauen, bei allen kaufmännischen Berufen im Durchschnitt waren es nur 64 Prozent.
«Die Jobs der Medienkaufleute sind und bleiben ein zukunftsträchtiger Modeberuf mit guten Aufstiegschancen», sagt Krämer. So sei in vielen Unternehmen ein Weiterkommen möglich, zudem gebe es Qualifikationsmöglichkeiten. Viele schlössen ein Studium an die Ausbildung an. «Das ist natürlich nicht unbedingt unser Ziel, weswegen wir auch immer gerne Realschüler nehmen», sagt Jacob. Das Einstiegsgehalt von Medienkaufleuten liegt laut Tarifvertrag bei knapp 1900 Euro monatlich.
Neben der herkömmlichen dualen Ausbildung in Berufsschule und Unternehmen bieten zunehmend auch private Bildungseinrichtungen die Ausbildung an, wie die bm Gesellschaft für Bildung in Medienberufen in Köln. «Der Vorteil bei uns ist, dass die Teilnehmer erst ein Jahr Schule haben, dann anderthalb Jahre im Betrieb sind und danach ein halbes Jahr in der Schule auf die Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer vorbereitet werden», erklärt bm-Sprecher Jochen Overwien. Die jeweiligen Abschnitte würden so in einem zusammenhängenden Stück absolviert. Allerdings kostet die Ausbildung im ersten Jahr 390, in den beiden folgenden 290 Euro monatlich selbst während der Zeit in den Betrieben.
Informationen im Internet: Bundesinstitut für Berufsbildung: www.bibb.de/de/20748.htm