Neue Berufe - Ofen- und Luftheizungsbauer Traditionsberuf mit Zukunftsperspektive

Von Annett Klimpel, dpa

Hamburg (dpa/gms) Seit die Menschen das Feuer zum Kochen und Wärmen nutzen, errichten sie auch befestigte Feuerstellen. Im Lauf der Jahrtausende verfeinerte die Menschheit die Kunst, Flammen zu bändigen: Öfen wurden gemauert, Gase durch Schornsteine abgeleitet, statt Holz auch Kohle verwendet. Damit gehört der Ofen- und Kaminbau zu den ältesten und wichtigsten Kulturtechniken. Wegen der steigenden Preise für Öl und Gas erlebt das Gewerbe derzeit ein neues Hoch. «Viele Leute versuchen, sich von Öl und Gas unabhängig zu machen», sagt Olaf Renken, Obermeister der Kachelofen- und Luftheizungsbauer-Innung in Hamburg. «Seit einem Jahr boomt die Branche.»

Ähnlich sieht es weiter südlich in Deutschland aus: «Die Hersteller haben mittlerweile Lieferzeiten von einem halben Jahr und mehr», erklärt Bärbel Osada vom Unternehmen Osada Ofenbau und Heizkamine in Weinheim. Gute Aussichten also für Auszubildende in einem Beruf, der seit diesem Sommer nicht mehr Kachelofen- und Luftheizungsbauer heißt, sondern Ofen- und Luftheizungsbauer. Die bisherige Ausbildungsverordnung wurde an Weiterentwicklungen wie neue Energieträger, die elektronische Schadstoffminimierung und die komplexere Lüftungstechnik angepasst.

Auch die Vermittlung des Stoffes habe sich gewandelt, erklärt Manfred Vohs, Stellvertretender Geschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in Sankt Augustin bei Bonn. «Es wird nicht mehr einfach das Wissen in den einzelnen Bereichen abgefragt, sondern eine komplette Aufgabe gestellt.» Damit werde das eigenverantwortliche Herangehen an komplexe Aufgaben trainiert.

Das ist wichtig, denn Ofen- und Luftheizungsbauer haben heute längst nicht mehr nur mit Kacheln und Mauersteinen zu tun. Sie sind auch gefordert, wenn es darum geht, komplexe und komplett elektronisch gesteuerte Heizungssysteme und Raumluftanlagen zu installieren. «Die Zukunft wird da zweigleisig sein», sagt Vohs. «Es wird den klassischen Kaminbauer geben und den Systemanbieter, der einen Kachelofen als Heizkessel und Warmwasserlieferant gleich noch in Verbindung mit einer Solaranlage einbaut.»

Voraussetzung für die dreijährige Ausbildung ist der Hauptschulabschluss. «Mathe ist dabei das wichtigste Fach», erklärt Renken. «Wenn man in einen Raum kommt, muss man schon abschätzen können, was da an Leistung gebraucht wird.» Auch Ausdauer werde von den jährlich rund 400 Auszubildenden gefordert. «Der Bau eines Ofens dauert etwa eine Woche, und da ist oft Puzzlekram dabei.» Vor allem im Winter könne das sehr anstrengend sein, betont Renken. «Wo wir arbeiten, gibt's meist keine Heizung, da soll ja erst eine hin.»

Von Vorteil ist für angehende Ofen- und Luftheizungsbauer körperliche Fitness. «Kamineinsätze haben mit 200 bis 300 Kilogramm schon ihr Gewicht», erklärt Osada. Dennoch ermuntert Vohs auch Mädchen zu dem Beruf: «Es gibt schon viele Meisterinnen mit eigenen Geschäften und pfiffigen Ideen.» Mädchen können oft mit zwei Eigenschaften trumpfen, die in dem Geschäft ebenfalls extrem wichtig sind: «Man sollte eine künstlerische Ader haben und gut mit Menschen umgehen können», sagt Renken.

Der Kundenkreis der bundesweit rund 2500 Betriebe ist breit gefächert: «Wir haben die Oma mit der kleinen Rente als Kundin, aber auch den Multimillionär», sagt Renken. Damit sei auch dafür gesorgt, dass der Beruf stets sehr abwechslungsreich bleibt.

Dafür sorgen allein schon die Markttrends, auf die Ofen- und Luftheizungsbauer flexibel reagieren müssen. Im Moment lägen vor allem im norddeutschen Raum die klassischen offenen Kamine wieder im Trend, erklärt Vohs. Im Süden würden dagegen eher Speicher-Kachelöfen gebaut. Ungebrochen sei auch das Interesse an Kaminöfen mit gusseisernen Einsätzen und einer Scheibe vorm Brennraum. «Diese Öfen haben einen Wirkungsgrad von 85 Prozent und mehr.»

In der Regel ist die Auftragslage der Betriebe mit ihren meist zwei bis vier Mitarbeitern gut: «Viele haben für zwei bis drei Jahre Aufträge im Voraus», sagt Vohs. Der tarifliche Bruttostundenlohn eines angestellten Ofen- und Luftheizungsbauers beträgt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 13,70 Euro. Nach Lehre und Gesellenzeit macht sich so mancher ehemalige Auszubildende mit einem eigenen Betrieb selbstständig rund 100 Ofen- und Luftheizungsbauer legen jährlich die Meisterprüfung ab. Möglich ist aber auch die Weiterbildung zum Techniker in Fachplanungsbetrieben sowie zum Diplom-Ingenieur mit Fachrichtung Heizung, Lüftung, Klima.

Eine der schönsten Eigenheiten seines Berufsstandes ist für Renken, dass er überschaubar und familiär ist. «Kachelofenbauer kennen sich untereinander», betont auch Vohs. Dafür sorgten unter anderem drei traditionelle Weiterbildungsseminare im Jahr. «Ofenbauer waren schon immer eine familiäre Gemeinschaft.»

Informationen: Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), Rathausallee 6, 53757 Sankt Augustin (Tel.: 02241/92 990, Internet: www.zentralverband-shk.de).