Wenn das Reiseziel zum Arbeitsort wird: Animateure sind gefragt

Von Nina Apin, dpa

Bonn (dpa/gms) - Arbeiten unter südlicher Sonne, immer gute Laune, Cocktails am Pool: Animateur ist für viele ein Traumjob, und die Zahl der Bewerber steigt. Allerdings haben die Reiseveranstalter auch jede Menge Bedarf. Wer sich für den Sommer 2007 eine Stelle sichern will, kann sich schon jetzt darum bemühen. Dabei sollte klar sein: Ein Job als Animateur ist kein bezahlter Urlaub, sondern oft genug harte Arbeit und nichts für Schüchterne.

«Der Bedarf an Animateuren ist riesig», sagt Jens Schmidt von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn. Schmidt vermittelt Animateure an insgesamt etwa 70 Reiseveranstalter, Hotels und Agenturen. «Pro Saison gibt es einige Tausend Stellen, vor allem am Mittelmeer.» Die «Rekrutierungsphase» für den jeweils folgenden Sommer beginnt dabei schon im Herbst, wie Carola Wolff von der TUI-Tochter Robinson Club in Hannover erkärt. Auch die TUI selbst sucht 200 Animateure für ihre Familienclubs.

Der Weg zum Job unter Palmen verläuft üblicherweise in drei Schritten: Erst kommt die Bewerbung, dann die Einladung zu einem Casting und schließlich eine meist mehrwöchige Schulung. Während dieser Zeit springen viele Bewerber wieder ab - und machen Platz für kurzentschlossene Neueinsteiger.

Bewerber bei Robinson Club müssen mindestens 20 Jahre alt sein. Je nach Art des Einsatzes werden außerdem fachliche Qualifikationen gefordert. «In der Kinderbetreuung erwarten wir eine abgeschlossene Ausbildung als Erzieherin oder Lehrer, für das Sport- und Wellnessprogramm ein Sportstudium, eine Physiotherapieausbildung oder Vergleichbares», sagt Carola Wolff.

Beim Reiseveranstalter Club Aldiana sollte man 23 Jahre alt sein, mittlere Reife oder Abitur und eine möglichst «passende» Berufsausbildung abgeschlossen haben. «Wir haben relativ aufwendige Show- und Bühnenprogramme», erläutert Annette Emmel von der Personalabteilung des Unternehmens in Pfäffikon in der Schweiz.

Längst nicht alle Arbeitgeber stellen derart hohe Ansprüche. Doch etwas Besonderes sollte man schon zu bieten haben, um sich von der Masse der Bewerber abzuheben. «Ein Aerobicschein oder Erfahrungen als Jugendgruppenleiter erhöhen die Chancen gewaltig», sagt Jens Schmidt.

Noch wichtiger ist Flexibilität: Die Arbeitsdauer variiert von der durchgehenden Saisonbeschäftigung bis zur vierwöchigen Verstärkung im Hochsommer. Und wohin es geht, erfahren die Ausgewählten meist erst wenige Wochen vor dem Einsatz. «Man darf sich nicht auf ein bestimmtes Land versteifen», rät Schmidt. «Wer sich schon bei der Schulung weigert, nach Mallorca zu gehen, hat schlechte Karten.»

Die Schulungswochen sind für Bewerber und Arbeitgeber der letzte Prüfstein. «In einer Skihalle testen wir, ob jemand nicht nur Skifahren kann, sondern auch fähig ist, eine Gruppe zu unterhalten», sagt Uwe Mendes vom Veranstalter Frosch Sportreisen in Münster, der auch im Winter Jobs zu vergeben hat.

Robinson Club erwartet von seinen Animateuren Qualitäten als Entertainer. In mehrwöchigen Kursen wird getestet, was die künftigen Stimmungsmacher drauf haben. Vortanzen, Moderieren, Pantomime - das ist nichts für Schüchterne: «Die Bereitschaft zum öffentlichen Auftritt muss da sein», sagt Carola Wolff. «Beim Show-Cooking und den Bühnenshows am Abend macht das ganze Team mit, egal ob sie tagsüber Kinder betreuen, das Malatelier leiten oder Tenniskurse geben.»

Arbeitszeiten von früh am Morgen bis zum späten Abend sind nicht selten. «Für unsere Animateure fängt der Tag um 9.00 Uhr mit der Teambesprechung an», schildert Annette Emmel von Aldiana. «Danach ist durchgängig Programm, am Mittag werden die Shows für den Abend geprobt, und abends herrscht Anwesenheitspflicht bis Programmende.»

«Man muss damit umgehen können, nie alleine zu sein», sagt Jens Schmidt. Für die Dauer eines langen Urlaubs lebt und arbeitet man mit Kollegen und Hotelgästen zusammen. «Mit dem Team steht und fällt alles», sagt Annette Emmel. «So eine Saison kann wunderbar harmonisch und voller Spaß sein oder auch anstrengend.»

Freie Hin- und Rückreise sowie Kost und Logis in den Hotels und Urlaubsanlagen hat man als Animateur immer. Wie viel als monatliches Gehalt dazu kommt, hängt von Arbeitgeber und Einsatzgebiet ab. Jens Schmidt von der ZAV geht von einem Nettoverdienst zwischen 550 und 700 Euro aus.

Allzu sehr darauf hoffen, dass aus dem Sommerjob eine langfristige Anstellung wird, sollten die jungen Animateure nicht. Denn nur wenige von ihnen arbeiten sich den Experten zufolge bis zum Teamleiter oder gar in Führungspositionen der Clubs hoch. Die meisten hören nach ein, zwei Saisons wieder auf.

«Nur wenn man realistisch an den Job herangeht, kann man Enttäuschungen vermeiden», sagt Jens Schmidt. Doch die Erfahrung lohne sich: «Animateur ist immer noch ein sehr vielseitiger Beruf.» Auch Annette Emmel ist sich sicher: «Was man dabei in ein paar Monaten über das menschliche Zusammenleben lernt, das vergisst man nie.»

Internet: www.animateure.de