Hafenschiffer - Nicht nur auf großer Fahrt ist Zuverlässigkeit Trumpf

Von Deike Uhtenwoldt, dpa

Hamburg (dpa/gms) Es sind nicht die Abschlussnoten, die Hans Staub bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz zum Hafenschiffer besonders interessieren. Der erste Blick des Ausbildungsleiters in der Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) gilt der Rubrik «Versäumnisse»: Und jeder, der da unentschuldigte Fehltage im Zeugnis stehen hat, landet in der Ablage mit den Absagen: «Das ist ein Beruf, für den man nicht unbedingt theoretisches Wissen braucht, aber Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.»

Eine Chance für Hauptschüler, an der auch eine Neuverordnung des Berufsbildes nichts geändert hat: «Die haben da doch nur ein paar Buchstaben verdreht, inhaltlich ist der Hafenschiffer der alte geblieben», so die Meinung des Ausbilders. Anders dagegen stellt sich das für die Festmacher dar, die von der See- und Landseite her große Containerschiffe an den Kaimauern festmachen. Für diese Tätigkeit gab es bisher keinen Ausbildungsberuf, sondern nur Lehrgänge. Jetzt wurden die Festmacherei und auch die Ewerführer und der Güterumschlag auf Schuten in die neue Ausbildungsverordnung integriert.

«Der Ausbildungsberuf Hafenschiffer ist durch die Modernisierung auf breitere Füße gestellt worden», erklärt Dagmar Winzier, Referentin im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Qualifikationen seien angehoben worden: «Die brauchen sowohl technisches Verständnis als auch kommunikative Fähigkeiten, wenn sie Personen im Fähr- und Touristikverkehr befördern». Vor allem benötigten die Auszubildenden, die bei Wind und Wetter draußen sind, eine robuste Gesundheit.

«Wir hatten hier auch einen Bewerber, den wir gerne übernommen hätten, wenn er nicht ausgerechnet farbenblind gewesen wäre», erzählt Stefan Mager, Schifffahrtsleiter der Alster Touristik ATG. Obwohl die Alsterdampfer hauptsächlich auf Nebengewässern bleiben und den Hamburger Hafen nur am Rand durchfahren, bildet auch die ATG erstmals Hafenschiffer aus. «Wir benötigen qualifizierten Nachwuchs», so Ausbildungsleiter Mager, der dabei mit der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG kooperiert: «Allein können wir das Berufsbild nicht abdecken, weil uns der Hafen fehlt».

Genau genommen sind es ein Hafenschiffer und eine Hafenschifferin, die am ersten August bei der ATG an Bord gegangen sind: «Ich mag die Arbeit auf dem Wasser und den Kontakt mit den Gästen», sagt Isabel Mondorf. Die 22-Jährige ist über ihren Freund, der für die HADAG durch den Hamburger Hafen fährt, zu dem Beruf gekommen. Dass sie zusammen mit einer weiteren Auszubildenden die weibliche Ausnahmen unter den 24 neu gestarteten Hafenschiffern sind, fällt der Realschülerin kaum auf: «Wir machen hier alles zusammen. Niemand bekommt eine Sonderrolle.»

Die Staatlichen Gewerbeschule Werft und Hafen in Hamburg ist bisher die einzige Berufsschule, die Hafenschiffer unterrichtet - 19 Auszubildende kommen aus Hamburger Betrieben. «Die meisten Schüler kommen aus der Touristik», so Berufsschulkoordinator Thomas Frank. Aber auch die Behördeneinrichtungen und Festmacher bilden aus: «Sechs Lehrlinge haben Hamburger Festmacher jetzt eingestellt. Zusätzlich hat sich ein Betrieb in Wilhelmshaven für die neue Ausbildung stark gemacht.»

Gering dagegen ist die Ausbildungsbereitschaft im Gütertransport: «Der Ausbildungsberuf zum Ewerführer ist mit der neuen Verordnung praktisch stillgelegt», kommentiert Hans Staub. Aber auch wenn der Bedarf an Hafenschiffern im Gütertransport nicht so groß ist, alle Auszubildenden lernen auch das Be- und Entladen von Wasserfahrzeugen und den Transport von Ladungen kennen, betont Berufsschullehrer Frank. «Nach der Ausbildung kann jede Barkasse, Fähre oder Schute geführt werden.»

Ohne Aufsicht dürfen das die Hafenschiffer aber erst, nachdem sie das Patent erworben haben. «Rechtlich geht das noch nicht zusammen», so Thomas Frank, der im Zuge seine Gewerbelehrerausbildung auch einmal auf einem Fährschiff gearbeitet hat: «Das ist ein schöner Beruf und vor der besonderen Kulisse im Hafen sehr abwechslungsreich.»

Das Gehalt ist ausbildungsplatzabhängig. Bei den Behörden, Fähr- und Touristikbetrieben fangen die Auszubildenden im ersten Lehrjahr bei 610 Euro an und bekommen jedes Jahr 50 Euro mehr. Im gewerblichen Bereich und bei den Schiffsbefestigern liegt die Ausbildungsvergütung deutlich darunter. Ausgebildete Hafenschiffer steigen oft mit einem Grundgehalt von 2200 Euro brutto monatlich ein und bekommen für Sonn-, Nacht- und Feiertagsarbeit Zulagen.

Internet: www.bibb.de/de/20718.htm; infobub.arbeitsagentur.de/berufe