Organisatoren weltweiter Warenströme - Kaufleute im Außenhandel

Von Annett Klimpel, dpa

Berlin (dpa/gms) - Egal ob in einem Laden ein T-Shirt aus China, Kaffee aus Brasilien oder Hightech aus den USA verkauft wird, ohne sie ginge das nicht: Kaufleute im Groß- und Außenhandel sind die Mittler zwischen Produzenten und Verkäufern. Sie lenken Warenströme in die gewünschten Bahnen und versorgen Einzelhändler vor Ort.

Der Beruf ist in zwei Fachrichtungen unterteilt. Kaufleute im Großhandel arbeiten Einzelhändlern, Handwerkern, Gastronomen, Landwirten und der Industrie zu. Sie kaufen Waren in großen Mengen, lagern sie zwischen und beliefern die einzelnen Abnehmer. Zu ihren Aufgaben gehört es, Bezugsquellen zu suchen und auszuwählen, Preise zu kalkulieren und Spediteure zu beauftragen.

Im Bereich Außenhandel müssen sich die Kaufleute mit Außenwirtschafts- und Zollrechtsbestimmungen auskennen. Sie schließen internationale Kaufverträge ab, nehmen Devisenkalkulationen vor und stimmen sich weltweit mit Partnern ab. «Oft sitzen Außenhändler im Büro und kaufen und verkaufen Waren rund um den Globus», sagt Alexander Kolodzik vom Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) in Berlin.

Die Branche ist am Umsatz gemessen der zweitstärkste Wirtschaftszweig Deutschlands - die rund 120 000 Unternehmen erwirtschaften dem BGA zufolge jährlich mehr als eine Billion Euro. Der Groß- und Außenhandel beschäftigt rund 1,2 Millionen Menschen. Dennoch sind die Firmen dem Verbraucher meist weniger präsent als Supermarkt- oder Einzelhandelsketten. Zu den Branchengrößen zählen zum Beispiel Bayer Polymers, die BayWa AG, Klöckner & Co. und ThyssenKrupp Schulte. «Genauso wie den Welthandelskonzern mit ein paar 100 000 Stellen gibt es aber auch den kleinen Importeur mit 10 Mitarbeitern», sagt Burghard-Ulrich Körlin von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt/Main.

Auf welchem Gebiet sie aktiv werden möchten, entscheiden angehende Groß- und Außenhandelskaufleute schon zu Beginn ihrer dreijährigen Ausbildung. «Im Bereich Außenhandel kann man ein Viertel der Ausbildungszeit im Ausland zubringen», erklärt Körlin. Die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel gehört zu den zahlenmäßig stärksten - rund 15 000 Jugendliche starten in diesem Bereich alljährlich. Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben vor allem Jugendliche mit einem guten Realschulabschluss oder Abitur.

«Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll», erklärt Hella Lüth vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. «Nur rund sieben Prozent der angenommenen Bewerber steigen mit einem Hauptschulabschluss in die Ausbildung ein», ergänzt Kolodzik. Gute Noten seien vor allem in Deutsch, Mathe und in einer Fremdsprache vonnöten. Sehr wichtig sei auch, mit Menschen umgehen zu können. «Man hat ständig mit Kunden zu tun, muss sehr viel telefonieren und dabei auch in Konfliktsituationen höflich und souverän auftreten.»

Seit Mitte des Jahres 2006 gilt für den Beruf eine neue Ausbildungsordnung. Aktualisiert und erweitert wurde unter anderem der Bereich Logistik. «Da hatte sich einiges verändert in den vergangenen Jahren», erklärt Lüth. «Zum Beispiel hält der Großhandel seine Lager mittlerweile so klein wie nur möglich.» An Bedeutung gewonnen haben die Fremdsprachen. «Im Großhandel ist nun eine Fremdsprache Pflicht. Für den Außenhandel hat sich nichts geändert. Dort werden in der Praxis oft sogar zwei Fremdsprachen gesprochen», erklärt Kolodzik.

Auch die Kunden- und Dienstleistungsorientierung steht während der Ausbildung verstärkt im Mittelpunkt. «Produktbegleitende und zusätzliche Dienstleistungen werden immer wichtiger», sagt Kolodzik. Der Kunde wünsche Komplettlösungen, die ihm möglichst viel Arbeit abnehmen. Im Gegenzug hätten Buchführung und Personalwirtschaft in der Ausbildung an Bedeutung verloren.

Angehende Kaufleute im Groß- und Außenhandel müssen sich oft wenig Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen: Die Übernahmequote bei den ausbildenden Unternehmen liege bei 60 bis 70 Prozent, sagt Kolodzik. «Die Globalisierung schreitet voran», betont auch Körlin. «Deshalb hat man mit diesem Beruf sehr, sehr gute Chancen.»

Als Angestellte verdienen Kaufleute im Groß- und Außenhandel der Bundesagentur für Arbeit zufolge monatlich rund 1500 bis 1800 Euro brutto. Steigerungen sind möglich: «Der Groß- und Außenhandel setzt immer noch sehr stark auf den Nachwuchs aus der dualen Ausbildung und bietet ein großes Spektrum von Weiterbildungsmöglichkeiten an», erklärt Kolodzik. In vielen Betrieben gebe es Förderprogramme und Weiterbildungsseminare - zum Beispiel zum Abteilungsleiter. Sinnvoll sei auch die Weiterbildung zum Handelsfachwirt oder Betriebswirt. «Die Ausbildung ist eine sehr gute Grundlage für etliche Karrierewege in vielen verschiedenen Branchen und Bereichen, im Handel, aber auch in der Industrie.»
Informationen: Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Am Weidendamm 1a, 10117 Berlin (Tel.: 030/59 00 99 50, Internet: www.bga.de).