Fachkraft für Möbelservice: Handwerkliches Geschick gefordert

Von Sandra Tjong, dpa

Augsburg (dpa/gms) - Beim Umzug eines Haushaltes fallen viele Aufgaben an. Mitarbeiter von Umzugsspeditionen müssen nicht nur Möbel schleppen, sondern auch Schreiner-, Elektriker- und Installationsaufgaben übernehmen: «Zum Beispiel werden die Lichtanlagen in Schlaf- und Wohnzimmerschränken immer komplizierter», sagt Elmo Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mittelständischer Küchenfachhandel in Düsseldorf. Zudem müssen Einbauküchen aufgebaut sowie Herd und Waschmaschine angeschlossen werden.

Einen Ausbildungsberuf, der all diese Erfordernisse abdeckt, gab es bislang nicht. Die Speditionen behalfen sich beispielsweise mit Schreinern, die eine Fortbildung zum Elektrofachmann absolviert hatten. Das ändert sich jetzt: In diesem Herbst startet erstmals die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Die Lehre, die nun in eine fünfjährige Erprobungsphase geht, vermittelt freilich noch einiges mehr als das genannte handwerkliche Können - unter anderem EDV-Kenntnisse, Logistikkompetenz und Fachwissen zu etlichen Materialien.

Carl Domberger bildet in seinen beiden Möbelspeditionen in Augsburg zwei junge Männer in dem neuen Beruf aus. «Die fangen erst mal im Büro an, damit sie die Abläufe in einer Spedition kennen lernen», erklärt Domberger. Nach ein paar Wochen werden die Azubis mit zu Kunden fahren, erst zu Beratungsgesprächen, und dann, um mit anzupacken.

Zur Ausbildung gehört auch Logistikarbeit im Lager. Deswegen hat Domberger bei der Auswahl seiner Kandidaten darauf geachtet, dass sie nicht nur Freude an handwerklicher Arbeit haben, sondern auch dem Computer gegenüber aufgeschlossen sind. «Die jungen Leute sollten eine große Bereitschaft zu Mobilität mitbringen und keine Kontaktschwierigkeiten haben», sagt Dierk Hochgesang, Sprecher des Bundesverbandes Möbelspedition AMÖ in Hattersheim am Main.

Zum Einsatz kommen die Fachkräfte nicht nur bei Speditionen: Auch in der Möbelindustrie, wo sie beispielsweise Ausstellungen in Fachhäusern aufbauen, und vor allem im Einrichtungsfachhandel ist eine entsprechende Ausbildung gefragt. «Der Kunde im Küchenfachladen erwartet außer einer eingehenden Beratung ja auch, dass die Küche aufgebaut wird», erläutert Elmo Keller vom Küchenfachhandelsverband.

Je nachdem, welchen Betrieb sich der Auszubildende sucht, spezialisiert er sich auf eine Branche. Allerdings sollte ein späterer Wechsel etwa von einer Spedition in einen Möbelfachhandel kein Problem sein, betont Dierk Hochgesang vom AMÖ: «Die Grundlagen sind alle dieselben.» Zudem geht Hochgesang davon aus, dass die Firmen, die sich an einen vorgegebenen Rahmenlehrplan halten müssen, überbetrieblich ausbilden werden. «Der Möbelhandel wird die Leute auch zum Küchenfachhandel und in Speditionen schicken und umgekehrt.»

Wie genau die geforderten Lehr- und Ausbildungsinhalte von den Berufsschulen mit Leben angefüllt werden, muss sich noch herausstellen. «Leider sind sie vielfach auf die Schnelle nicht in der Lage gewesen, entsprechende Schulklassen anzubieten», sagt Keller. In den meisten Bundesländern gibt es höchstens zwei Einrichtungen, zu denen die Azubis teils mehrere hundert Kilometer weit anreisen müssen. Deswegen bieten die Schulen in der Regel einen mehrwöchigen Blockunterricht an.

Auch die Auszubildenden von Carl Domberger in Augsburg werden mehrmals jährlich zum Blockunterricht ins gut 200 Kilometer entfernte Würzburg reisen müssen. «Zum Glück gibt es dort eine günstige Schülerunterkunft, die nur ein paar Euro pro Tag kostet», sagt Domberger, der Fahrt- und Unterkunftskosten für die Auszubildenden stellt.

Viel verdienen angehende Fachkräfte für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice ohnehin nicht. Ihr Gehalt richtet sich nach den jeweils geltenden Einzelhandelstarifen und beträgt nach Aussage von Keller beispielsweise in Baden-Württemberg rund 600 Euro brutto im ersten Lehrjahr, 660 im zweiten und 760 Euro im dritten.

Der Beruf habe aber Zukunft, ist AMÖ-Sprecher Hochgesang sicher: «Menschen werden immer Möbel brauchen und umziehen.» Interessenten können bei der Industrie- und Handelskammer vor Ort erfahren, welche Firmen die Ausbildung anbieten. «Oder sie fragen direkt bei einem Betrieb ihrer Wahl an», rät Hochgesang.

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