Ausbildung im Großunternehmen: Frühzeitig informieren und bewerben
Von Claudia Bell, dpa
Berlin (dpa/gms) - Das neue Schuljahr hat schon lange begonnen, und für viele Schüler geht es in den kommenden Monaten in die letzte Runde vor der geplanten Ausbildung. Manche von ihnen haben ihre Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz schon abgeschickt, und das ist nach Meinung von Arbeitsexperten auch gut so. «Die großen Unternehmen fangen etwa ein Jahr vor Ausbildungsbeginn mit ihrem Auswahlverfahren an», sagt Tanja Nackmayr, Referentin für Ausbildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin.
Doch dieser frühe Zeitpunkt, an dem die Wahl für einen Beruf fallen muss, ist häufig auch das Problem. Denn damit sind frühe Ausbildungsabbrüche bereits programmiert. Durchschnittlich lösen etwa 25 Prozent der Azubis ihr Arbeitsverhältnis vorzeitig. «Davon geben rund 35 Prozent berufs(wahl)bezogene Gründe an, darunter 42 Prozent, die sich den Beruf anders vorgestellt hatten», sagt Nackmayr. Deshalb sei es vor allem wichtig, dass sich die Schüler rechtzeitig orientieren und umfassend informieren können.
Damit eine Bewerbung Erfolg hat, sollte der Anwärter ihrer Ansicht nach möglichst frühzeitig mit dem jeweiligen Unternehmen in Verbindung treten. «Durch ein Schülerpraktikum etwa können wichtige Kontakte hergestellt werden. Es ist oft entscheidend, dass der Arbeitgeber ein Interesse des künftigen Azubis an seinem Betrieb erkennt», sagt die Referentin. Dafür sei eine fundierte Berufsorientierung an den Schulen sowie die Kooperation zwischen Schulen und Betrieben dringend notwendig.
Bei der Entscheidungsfindung kann die Schüler ein Praktikum weiterbringen - und auch dem Arbeitgeber hilft es, sich ein Bild über den jungen Menschen zu machen. «Wenn künftige Azubis beim Praktikum eine gute Figur abgeben, dann ist auch eine Vier im Zeugnis nicht so schlimm», sagt Berufsberaterin Beate Krüger von der Arbeitsagentur in Krefeld. Dennoch seien für die Bewerbungsunterlagen neben einem fehlerfreien Anschreiben natürlich auch die Zensuren entscheidend. «Da darf man sich nicht mit dem Zeugnis der neunten Klasse gemütlich in die Ferien begeben, sondern muss immer dranbleiben.»
Denn viele Unternehmen vergeben ihre Ausbildungsplätze zwar schon ein Jahr vorher. Es könne aber auch wenige Monate vor Ausbildungsbeginn durchaus noch offene Stellen geben, etwa als Arzthelferin oder im handwerklichen Bereich. Denn bei den Arbeitgebern mache sich auch der Trend bemerkbar, etwas länger zu warten. «Manche Unternehmen sind ja auch verunsichert und können so früh im voraus noch gar nicht abschätzen, ob und wie viele Leute sie ausbilden können», sagt Krüger.
Bei Banken und Behörden spielt dieser Trend allerdings keine Rolle. «Die haben ihre Azubis teilweise schon ein Jahr vorher ausgesucht. Wer also solch einen Berufswunsch hat, sollte sich mindestens eineinhalb Jahre vorher bewerben», rät die Berufsberaterin - für einen Ausbildungsbeginn 2008 also schon bald.
Eine rechtzeitige Bewerbung ist auch bei kaufmännischen sowie Medien-, Werbe- und Veranstaltungsberufen angebracht. Die Nachfrage bei den IT-Berufen sowie bei industriell-technischen Ausbildungsplätzen habe sich dagegen deutlich entspannt, sagt Gregor Berghausen, Geschäftsführer der Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer (IHK). Doch bei diesen Berufen sei nicht nur der Bewerbungszeitpunkt entscheidend. «Hier sollte man auch eine gewisse Branchenaffinität nachweisen und zeigen, dass man Strukturen und Arbeitszeiten des Wirtschaftsbereiches kennt.»
Generell gilt, dass kleinere Unternehmen und Firmen in ländlichen Regionen größere Probleme haben, Ausbildungsplätze zu besetzen. «Dort sind die Chancen am größten, auch kurzfristig noch einen Ausbildungsplatz zu erhalten, und diese Unternehmen sind meistens auch bereit, unterjährig einzustellen», sagt Berghausen.
Wer auf seine Bewerbungen nur Absagen erhält, sollte nach Ansicht der Berufsexperten nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich vielmehr weiterhin bemühen, den Kontakt zu den Unternehmen zu halten, ruhig auch nachzuhaken und nach den Gründen für die Absage zu fragen. «Nur so kann man sicher sein, dass man keine grundlegenden Fehler in der Berufsorientierung oder in der Bewerbung gemacht hat», sagt Berghausen.
Internet: www.arbeitsagentur.de, www.was-werden.de, http://infobub.arbeitsagentur.de
Literatur: Christian Püttjer/Uwe Schnierda: Die Bewerbungsmappe mit Profil für die Ausbildungsplatzsuche, Campus Verlag, ISBN: 3593374455, 14,90 Euro; Thomas R. Schmidt: Die optimale Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, Heyne Verlag, ISBN: 3453869389, 5,95 Euro.