Bahnkaufleute: Unentbehrliche Kräfte auf Bahnhöfen und in Zügen

Von Horst Heinz Grimm, dpa

Hamburg/Köln (dpa/gms) - Gespür für Service und Bedürfnisse der Kunden gilt genauso als Voraussetzung wie Flexibilität und Kontaktfreude. Ohne den Beruf des Kaufmanns im Verkehrsservice wäre der Ablauf des zügigen Bahnreisens gar nicht möglich: Jeden Tag arbeiten Tausende von ihnen im Schichtdienst auf den mehr als 110 Hauptbahnhöfen Deutschlands und in Hunderten von Zügen zwischen Aachen und Frankfurt/Oder sowie Sylt und Garmisch-Partenkirchen.

Anushya Valliapan ist eine von ihnen. Man trifft die junge Frau am Service Point der Deutschen Bahn auf dem Bahnhof Hamburg-Altona, dem wichtigsten Start- und Endpunkt des Schienenverkehrs in Norddeutschland. Eine Reisende möchte von ihr wissen, ob der schon auf Gleis acht bereitstehende Eurocity nach Wien über Prag fährt und sie dort für zwei Tage unterbrechen kann. Valliapan lässt sich den Fahrschein zeigen. «Ja, ohne Problem», lautet die Antwort.

Diese Auskunftskompetenz qualifiziert Valliapan auch für den Dienst im Reisezentrum, wo nicht nur einfach die Fahrscheine verkauft werden. Das Heraussuchen auch komplizierter Zugverbindungen, Platzreservierungen und Preiskalkulationen gehören ebenfalls zu dem Job. Für die Arbeiten stehen nicht nur hier Computer zur Verfügung. Elektronisch informiert sich die junge Frau auch, wenn sie vom Stellwerk aus ihre Ansagen für die Bahnsteige macht: «Auf Gleis zwölf wird der ICE nach München bereitgestellt.»

Andere Servicekräfte arbeiten in den Zügen - Jennifer Batsch beispielsweise. Dienstbeginn ist in Dortmund, sie fährt als Zugbegleiterin im ICE nach Berlin und am selben Tag noch zurück. «Während der Fahrkartenkontrolle erkläre ich den Kunden Anschlussmöglichketen. Vereinzelt verkaufe ich mit dem handlichen tragbaren Computer Fahrkarten.» Zu den Aufgaben des Zugpersonals gehört auch, beim Ein- und Aussteigen behilflich zu sein, über den nächsten Halt zu informieren und Durchsagen zu machen. In der Ersten Klasse bringt es den Reisenden Getränke und Snacks an den Platz.

Die Servicekräfte sind an Uniform und roter Mütze erkennbar. Reisende treffen sie auch auf den Bahnsteigen. Bei diesem so genannten Mobilen Service sprechen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Menschen an, bei denen erkennbar ist, dass sie nach Informationen suchen. Sie helfen, wenn notwendig, beim Aus- und Einsteigen - etwa durch Bereitstellen eines Rollstuhllifts. Auch eine Mutter mit drei Kindern und viel Gepäck sollte sich ihrer Hilfe sicher sein können. Fällt ihnen eine unsaubere Stelle auf, rufen sie die Bahnreinigung und in bedrohlichen Situationen auch schon mal die Bundespolizei, die auf den Bahnhöfen für Sicherheit sorgt.

Größter Ausbilder für diesen Beruf ist die Deutsche Bahn AG. «Wir haben bundesweit etwa 1000 Auszubildende», sagt Sabine Brunkhorst von der DB in Hamburg. «Das Verhältnis von Männern und Frauen ist zahlenmäßig ausgeglichen.» Bewerber für eine Stelle brauchen einen Realschul- oder guten Hauptschulabschluss. Außerdem werden gute Englischkenntnisse verlangt. Nach den Vorgesprächen stehen ein Eignungstest und eine bahnärztliche Untersuchung an.

Dann erst kann die Ausbildung im Bahnbetrieb, in der Berufsschule sowie in bahneigenen Einrichtungen beginnen. Die Bahnneulinge lernen ihr Tätigkeitsfeld kennen, erfahren Einzelheiten über Streckennetz und Verkehrsmittel, den Umgang mit vorhandenen Informations- und Kommunikationssystemen und erhalten kaufmännisches Training, denn sie müssen ja auch Bahnleistungen verkaufen.

Auf dem Lehrplan steht ebenfalls, wie man mit Ausnahmesituationen umgehen muss - beispielsweise, wenn es Verspätungen gibt. Dann bekommen die Beschäftigten am Service Point manche unfreundliche Bemerkung zu hören. Darauf gilt es ruhig und klar zu reagieren. «Überwiegend sind die Reisenden aber freundlich», meint Valliapan. Die meisten wollen die Verspätung bestätigt bekommen, um eine Entschädigung zu beantragen.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, wobei ein vorzeitiger Abschluss möglich ist. Die Prüfung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Verkehrsservice wird vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer abgelegt und gilt nicht nur für den Bereich der Deutschen Bahn. «Bei uns sind 75 Unternehmen organisiert, die Personenverkehr mit Eisenbahn betreiben», sagt Friedhelm Bihn vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Köln. Auch hier sind diese Kaufleute gefragt. «Firmen bilden auch selbst aus», ergänzt der beim VDV für Ausbildung zuständige Michael Weber-Wernz.

Während der Ausbildung werden bei der DB monatlich 600 Euro im ersten bis 700 Euro in dritten Jahr gezahlt. Das Anfangsgehalt liegt dann zwischen 1500 und 1700 Euro. Dazu kommen je nach Einsatz Zulagen. Die Aufstiegsmöglichkeiten hängen von der persönlichen Bereitschaft zum Weiterbilden ab. Die Kaufleute können zu Verkehrsfachwirten aufsteigen oder über das Studium an einer Fachhochschule Diplom-Betriebswirt werden.

Internet: www.db.de/schueler