Mediengestalter Digital und Print: Im Sommer kommt ein neuer Lehrplan

Von Katlen Trautmann, dpa

Dresden/Bonn (dpa/gms) - Der Beruf des Mediengestalters für Digital und Print hat Tom Winter den Weg in die Welt der Zeitungen geebnet. Für einen der größten deutschen Verlage entwirft der 25-jährige Dresdner von der Anzeige bis zur Visitenkarte fast alles, was sich drucken lässt. «Ich arbeite in meinen Traumberuf», sagt er. Jährlich mehrere tausend Schulabgänger verfolgen das gleiche Ziel.

Der Weg dahin ist oft steinig und steil. Die Lehrstellen-Börsen sind oft überlaufen, der Stellenmarkt abgegrast. Als Ausbildungsbetriebe kommen alle Unternehmen der Informationsverarbeitung und Herstellung von Kommunikationsprodukten in Frage, so das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Verlage und Druckereien bilden ebenso aus wie Online-und Consultingunternehmen oder Reprografie- und Mikrografieunternehmen. Jeder fünfte Azubi hat laut dem Bundesverband Druck und Medien in Wiesbaden einen Vertrag mit einer Werbeagentur. Der Berufsabschluss lässt sich betrieblich oder überbetrieblich erwerben.

Voraussetzung ist ein Schulabschluss nach der zehnten Klasse. Die Ausbildung steht Umschülern offen. Auf eine Stelle melden sich im Schnitt sieben Bewerber, in manchen Betrieben seien es 100, sagt Theo Zintel, Leiter Bildungspolitik im Bundesverband. Er warnt daher vor unrealistischen Erwartungen. Experten empfehlen, bei mehreren Unternehmen «Eisen im Feuer» zu haben.

Vorteilhaft sei, noch während der Schulzeit ein Praktikum in der Medienbranche zu absolvieren und durch Interesse am Beruf und Engagement auf sich aufmerksam zu machen. Im Idealfall habe man so den Fuß in der Tür. Allgemeine und branchenspezifische Praktikumsbörsen, aber auch die Arbeitsagenturen listen Plätze. Informationen zu Praktikumsmöglichkeiten bieten auch die Landesbezirksbüros der Gewerkschaft ver.di. und die Landesverbände der Druck- und Medienindustrie.

Mit der Unterschrift unter den Lehrvertrag wird eine Spezialrichtung für die Lehre festgelegt. Bislang arbeiten Mediengestalter Digital/Print als «Berater», «Designer», «Techniker» oder «Operator». Ab August 2007 wird ein neuer Lehrplan greifen. Gestalter erlernen ihr Handwerk dann in den Fächern «Beratung und Planung», «Gestaltung und Technik» oder «Konzeption und Visualisierung». Auf diese Weise soll der Ansturm bei «Design» auf andere Bereiche gelenkt werden, erklärt Zintel. Besonders der Entwurf von Idee-Konzepten gewinne an Bedeutung. Die Lehre dauert drei Jahre.

In den ersten beiden Jahren lernen alle Auszubildenden die gleichen Grundlagen. «Ein gutes Auge für Proportionen sollte man mitbringen», sagt Zintel. Computerkenntnisse helfen. Zeichentalent sei entgegen landläufigen Vorstellungen nicht vonnöten. Über die Vorlage einer Mappe mit Arbeitsproben entscheidet der Ausbildungsbetrieb. Der Lehrplan umfasst etwa je zur Hälfte Gestaltung und Technik.

Die Mediengestalter in spe setzen sich mit Typografie, Layout, der Farblehre, Arbeitsorganisation und Betriebswirtschaft auseinander. Ab dem drittem Lehrjahr vertieft jeder Lehrling seinen Schwerpunkt. Den Lehrabschluss bilden praktische Arbeiten und Prüfungen. Dabei müssen die Mediengestalter auch englische Mails beantworten, wirtschaftliche Kenntnisse nachweisen, Flyer gestalten oder Designkonzepte präsentieren.

Tom Winter hat alle Hürden genommen: «Zeichnen per Hand lag mir nicht, doch am Computer fühle ich mich frei», erzählt er. Vor Aufnahme der Lehre forderte der Verlag eine Mappe eigener Arbeiten von ihm. Winter ließ sich durch Durststrecken mit eher monotonen Aufgaben während der Lehre nicht entmutigen. Das Unternehmen stellte ihn nach dem Abschluss ein. Je nach Auftragseingang gehören Überstunden dazu. Daneben gibt es auch ruhige Zeiten. «Ich bin bei meiner Wunschstelle angekommen», sagt er zufrieden.

In Deutschland lernen derzeit rund 10 000 Jugendliche aller drei Lehrjahre das Gestalterhandwerk. Im Jahr 2006 nahmen 4000 Jugendliche die Ausbildung auf. Das sind rund zehn Prozent mehr als in den Vorjahren, schätzt der Zentral-Fachausschusses Berufsbildung Druck und Medien (ZfA). Mehr als jeder zweite Einsteiger ist weiblich. «Die tarifliche Ausbildungsvergütung ist die höchste in der Industrie Deutschlands», sagt Zintel.

Azubis bekommen zwischen 762 Euro im ersten und 864 Euro im dritten Jahr. Die Verordnungen der Industrie- und Handelskammern (IKH) gestatten laut ZfA bis zu 20 Prozent geringere Entgelte. Werbeagenturen orientieren sich in der Regel nicht an Tarifverträgen. Facharbeiter verdienen dem ZFA zufolge im Westen zwischen 2000 und 3000 Euro im Monat. In den neuen Bundesländern sind die Bruttolöhne niedriger - 1500 Euro sind keine Seltenheit.

Internet: www.zfamedien.de, www.bibb.de