Kartografen sind Experten in Sachen Orientierungshilfe

Von Horst Heinz Grimm, dpa

Stuttgart/Berlin (dpa/gms) - Bei der Suche nach dem Ziel hilft eine gute Karte am besten. Ob Besucher in einer fremdem Stadt, Architekten bei der Planung, Autofahrer am Steuer, Piloten im Cockpit oder Kapitäne auf der Brücke: Auf die Karte kommt es an - entweder auf Papier oder in elektronischer Form. Kartografen sorgen dafür, dass diese Unterlagen stets auf dem aktuellen Stand sind.

Die große Zeit der Kartografen begann Ende des 15. Jahrhunderts, als der Deutsche Hartmann Schedel (1440-1514) seine «Weltchronik» drucken ließ und später Gerhard Mercator (1512-1595) seine Seefahrtskarten und Matthäus Merian (1595-1650) seine Stadtansichten veröffentlichten. Sie gravierten, zeichneten und kolorierten in feinster Handarbeit.

Moderne Kartografen nutzen als Handwerkzeug den Computer. «Seit gut zehn Jahren werden fast alle Arbeiten digital erledigt», stellt Wolfgang Kolb fest. Er ist Chefkartograf beim führenden europäischen Kartenhersteller Mairdumont in Stuttgart. «Der zeichnerische Markt hat sich zum Geodatenmarkt entwickelt.»

Es gibt verschiedene Ausbildungswege. Da ist zum einen die Ausbildung in Betrieb und Berufsschule in drei Jahren, die bei entsprechender Eignung um sechs Monate verkürzt werden kann. Mindestens ein sehr guter Hauptschulabschluss gilt als Grundvoraussetzung. «Es kommen bei Bewerbungen aber praktisch nur Realschüler und Abiturienten zum Zug», erklärt Reinhard Urbanke von der Deutschen Gesellschaft für Kartographie.

Der Diplom-Ingenieur ist an der Johannes-Gutenberg-Schule in Stuttgart für die Theoriefächer in der Ausbildung angehender Kartografen zuständig. Anwärter auf diesen Beruf müssen nach seinen Angaben gute Noten in Deutsch, Mathematik, Geographie und Informatik vorweisen sowie besonderes grafisches Talent, technisches Verständnis und ein breites Allgemeinwissen.

Doch entsprechende Lehrstellen lassen sich momentan nur schwer finden. «Beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) in Frankfurt beispielsweise werden 15 junge Menschen ausgebildet», sagt Werner Stoll, Ausbildungsleiter der Behörde. «Die Privatindustrie bildet kaum noch aus», klagt er - weil viele der klassischen kartografischen Arbeiten aus wirtschaftlichen Gründen ins Ausland vergeben würden. Laut Urbanke gibt es derzeit gut 100 Auszubildende. «Etwa 60 Prozent davon sind Frauen».

Chancen auf dem heimischen Markt bestehen für höher Qualifizierte, also Ingenieure. Die meisten in Deutschland arbeitenden Kartografen können mindestens diese Ausbildung vorweisen. In der Privatwirtschaft beträgt das Anfangsgehalt dann etwa 2300 Euro monatlich, der Öffentliche Dienst zahlt nach seinem Tarif.

An Fachhochschulen kann man nach frühestens vier Jahren zur Diplomprüfung antreten. Verlangt wird die Fachhochschulreife. Diese können Auszubildende an der Gutenberg-Schule auch berufsbegleitend erwerben. Mit der Hochschulreife steht der Weg zum universitären Studium offen - auch bis zu den neuen Bachelor- oder Master-Abschlüssen. Die Technische Universität Dresden ist derzeit die einzige mit einem eigenständigen Studiengang Kartographie. An gut einem halben Dutzend anderen Hochschulen ist diese Disziplin ein Nebenfach bei Geographie oder Vermessungskunde (Geodäsie).

Kartografen geben nach genau festgelegten Maßstäben die Welt im Miniformat wieder. «Bei diesen Arbeiten ist höchste Genauigkeit unumgänglich», betont Kolb. «Wir müssen exakt umsetzen, was Vermessungsingenieure sowie Luft- und Satellitenaufnahmen festgehalten haben», sagt Kirsten Bosche, freiberufliche Kartografin in Berlin.

Der Job ist vielseitig. Mal lautet der Auftrag über einen Innenstadtplan im Verhältnis 1:10 000, auf dem alle Straßen und Gebäude im Detail erkennbar sein müssen. Oder eine topografische Karte ist gefragt, die Gebirge, Wüsten und Flüsse darstellt. Interessant sind auch thematische Karten, in denen beispielsweise die römische Besiedlung der Iberischen Halbinsel dargestellt wird. Sie erfordern außer der fachlichen Kompetenz historisches Wissen. «Solche Aufträge erhalten dann Hochschulen oder freie Kartografen», berichtet Kolb.

Ausgebildete Kartografen arbeiten zum einen in der privatwirtschaftlichen Kartografie. Zum anderen ist der Öffentliche Dienst mit seinen Vermessungsämtern und Geoinformationsstellen ein potenzieller Arbeitgeber. Auch im Ausland sind die Experten gefragt, da es in vielen Ländern keine solche Fachausbildung gibt.

Informationen: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG), Frankfurt (Tel.: 069/633 31, Internet: www.bkg.bund.de) Deutsche Gesellschaft für Kartographie (Internet: www.dgfk.net, www.kartographie-ausbildung.de)