Teures gleitet durch ihre Hände - Doch Goldschmiede verdienen wenig

Von Angelika Röpcke, dpa

Würzburg/Stralsund (dpa/gms) - Sie arbeiten mit feinen Materialien. Gold und Silber gleiten ihnen fast täglich durch die Hände, mit Edelsteinen wie Diamanten verschönern sie ein Schmuckstück. Doch wer Goldschmied werden möchte, sollte nicht mit goldenen Verdienstmöglichkeiten rechnen. Die Arbeit ist hart und teilweise sehr dreckig, der Lohn sowohl als Lehrling als auch als Meister nicht üppig. Dennoch sind die Einsatzmöglichkeiten nach der Ausbildung vielfältig, Arbeitskräfte sind vor allem im Süden gefragt.

«Es lohnt sich», sagt Jan Peterandert, Goldschmied-Lehrling in Würzburg. «Der Beruf bietet ziemlich viel Abwechslung. Ich entwerfe Schmückstücke, betreue Kunden und fertige dann das Gewünschte an.» Den gebürtigen Lübecker hat es vor knapp drei Jahren nach seinem qualifizierten Hauptschulabschluss ins Unterfränkische gezogen, wo er sich derzeit in der Goldschmiedkunst ausbilden lässt. Rund 280 Euro bekommt der Lehrling im dritten Ausbildungsjahr. «Ich verdiene zwar nicht so viel, aber dafür macht es Spaß», sagt Jan.

Rund 950 Mädchen und Jungen entscheiden sich jährlich für den Beruf, bei dem man nicht zwei linke Hände haben sollte. «Man verdient nicht sehr viel, denn wir sind einfach keine Industrie, die das durch den Kunden subventioniert bekommt», erläutert Hans-Jürgen Wiegleb, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere in Osnabrück. Im ersten Lehrjahr könnten die Azubis lediglich mit 200 bis 300 Euro monatlich rechnen, im dritten Jahr seien unter Umständen bis zu 400 Euro drin.

Dreieinhalb Jahre dauert die Lehrzeit. Für Abiturienten kann die Ausbildung um ein Jahr verkürzt werden. Wiegleb zufolge entscheiden sich zumeist Frauen für dieses Handwerk. «Die jungen Damen fasziniert das Schöne, dass sie etwas gestalten können.» Bis zu 20 Bewerber kommen jedes Jahr auf eine Lehrstelle. «Dann nimmt man den Höchstqualifizierten», sagt Wiegleb, der einen Realschulabschluss, besser noch ein Abitur empfiehlt. Außerdem sollten die Kandidaten kreativ, manuell geschickt, geduldig und einfühlsam sein.

«Der Beruf ist wahnsinnig vielseitig», schwärmt Bernhard Thein, Obermeister der unterfränkischen Juwelier-, Gold- und Silberschmiedeinnung und der Chef von Jan in Würzburg. «Wir sind noch sehr stark an den alten Techniken dran - Emaillieren, Granulieren, Schmieden. Es ist eine dreckige Arbeit, denn wir sägen, feilen, schmirgeln und polieren.» Zangen, Hammer, Säge und Lötgeräte gehören zum täglichen Brot. Neben der praktischen Ausbildung in meist sehr kleinen Betrieben mit höchstens fünf Angestellten lernen die Nachwuchsgoldschmiede in den Berufsschulen die Theorie.

Diese Ausbildung ist für Verbandspräsident Wiegleb unersetzlich. Zwar könnten angehende Goldschmiede auch an Universitäten oder Fachhochschulen die Kunst studieren. Dennoch bleibe hier die handwerkliche Arbeit auf der Strecke. «Wir sind ein Beruf, in dem die Idee auch umgesetzt wird», sagt Wiegleb. «Das Studium ist eine Oase, in der man kreativ die Gestaltungsmöglichkeiten erforscht.» Den Theoretikern fehle das Gefühl für die tägliche Arbeit unter Zeitdruck und unter wirtschaftlichen Zwängen. Wiegleb rät, nach dem Schulabschluss zuerst eine Lehre anzustreben und dann ein Studium anzuschließen.

Die Zukunftsaussichten für Goldschmiede sehen in Süddeutschland nicht schlecht aus. Im Norden dagegen, aber auch und gerade in den ostdeutschen Ländern, haben es Gesellen schwer. «In unserer Region ist die Arbeitslosigkeit hoch und die Kaufkraft gering», sagt der Stralsunder Obermeister der Goldschmiedeinnung Ostmecklenburg-Vorpommern, Claus Stabenow. Bei der Besetzung von Stellen seien die Betriebe vorsichtig. Stabenow rät jedoch, die strukturschwachen Regionen nicht zu verteufeln. Als Selbstständiger mit Unterstützung wie dem Gründerzuschuss der Bundesagentur für Arbeit sei eine Etablierung in der Branche auch hier möglich.

An einer Uni oder einer Fachhochschule wie in Wismar ausgebildete Schmuckdesigner hingegen hätten mehr Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden. Von einer Abwanderung ins europäische Ausland raten die Experten ab - in der Regel sei dort das Lohnniveau noch geringer als in Deutschland, vor allem in Osteuropa.

Informationen: Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere, Am Schölenberg 9, 49082 Osnabrück (Tel.: 0541/60 02 86 90, E-Mail: zv@goldschmied.com; Internet: www.zv-gold.de)