Erfolg im Vorstellungsgespräch: Cool bleiben und gut vorbereitet sein

Von Verena Wolff, dpa

München/Frankfurt/Main (dpa/gms) - Das Vorstellungsgespräch ist wie eine Prüfung - Bewerber müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. «Positive Anspannung, eine Art Lampenfieber, sollte vor dem Gespräch da sein», sagt Thorsten Knobbe, Geschäftsführer der Karriere-Beratung Leaderspoint.de in Düsseldorf. «Man sollte sie auch nicht verleugnen.»

Wer im Vorstellungsgespräch sitzt, hat schon einige Verantwortliche im Unternehmen überzeugt. «Bewerber, die zum Gespräch eingeladen sind, haben mit ihren Bewerbungsunterlagen die erste Hürde bereits bewältigt», sagt Michael Albrecht, Leiter Recruiting und Personaleinsatz der BMW Group in München. Auseinander setzen müssen sich die Bewerber bei dem bayrischen Autobauer im Gespräch mit einem Personalreferenten und dem Leiter der Fachabteilung.

«So locker wie möglich und so reserviert wie nötig» - diese Verhalten rät Knobbe Bewerbern. Dabei hilft, gut vorbereitet in das Gespräch zu gehen, wie Personalberaterin Helga Krausser-Raether aus Frankfurt/Main betont. «Recherche und Information sind die wichtigsten Bestandteile der Vorbereitung.» Der Bewerber sollte das Unternehmen einordnen können und über die ausgeschriebene Position und deren Aufgabenbeschreibung Bescheid wissen. «Informationen dazu kann man leicht über das Internet finden.»

Auch das wiederholte Lesen der Stellenanzeige kann neue Erkenntnisse bringen - die Chancen stehen besser, wenn das eigene Profil und die gestellten Anforderungen gut zusammen passen. «Man sollte mit einer klaren Vorstellung ins Vorstellungsgespräch gehen - das allerdings geht besser, wenn die Anzeige deutlich formuliert ist», sagt Berater Knobbe. Niemals sollte ein Bewerber in ein Gespräch gehen, ohne vorher alle Möglichkeiten ausgelotet zu haben.

Doch nicht nur Kenntnisse über eine Firma und den Job sind wichtig - auch die «Recherche über sich selbst», wie Krausser-Raether die Auseinandersetzung mit dem eigenen Werdegang nennt. «Zur guten Vorbereitung gehört die entsprechende Darstellung der eigenen Person, der Erfahrungen und Kenntnisse», sagt auch Albrecht. «Als Beispiel: Die Kenntnisse und Erfahrungen, die für die Stelle relevant sind, sollten ausführlicher zur Sprache kommen als andere Themen.»

Gut verkaufen muss sich ein Bewerber in seinem Gespräch. Dazu gehört, dass er Interesse an dem konkreten Aufgabengebiet und den Themen, die ihn betreffen, bekundet. «Interesse zeigen sollte er auch am Arbeitsumfeld, der Zusammensetzung des Teams und der Weiterentwicklung», sagt Albrecht. Die Fragen der Personaler sind dazu da, dem Bewerber auf den Zahn zu fühlen und Informationen zu bekommen, die nicht aus den Unterlagen hervorgehen. «Man sollte sich damit auseinander setzen, welche Fragen gestellt werden können», sagt Beraterin Krausser-Raether.

Bewerbungsratgeber können dabei eine Hilfe sein - allerdings sollte man sie nicht auswendig lernen. «Darin es geht immer um Standardsituationen», sagt Knobbe. Wichtig sei, authentisch zu wirken. «Man sollte bei einigen Fragen, etwa denen nach Stärken und Schwächen, auf Nummer Sicher gehen», sagt er. «Doch man sollte nicht versuchen, eine Person darzustellen, die man nicht ist», sagt Krausser-Raether.

Wichtig für das Wohlfühlen in einem Vorstellungsgespräch sind Kleidung und Verhalten. «Man sollte sich nicht verkleiden und nichts anziehen, das man vorher noch nicht an hatte», rät Krausser-Raether. Lieber ein bisschen zu schick als zu leger, empfiehlt Knobbe. «Mit Hemd und Krawatte macht man nichts falsch, Frauen im Kostüm auch nicht.» Die Gepflogenheiten in der Branche sollte der Bewerber dabei beachten, sagen die Experten - für eine herausgehobene Stellung in einer Bank braucht es einen anderen Zwirn als für eine Texter-Position in einer Werbeagentur.

«Wir erwarten, dass Bewerber gepflegt auftreten - dazu zählen sowohl Kleidung als auch Umgangsformen», sagt BMW-Personaler Albrecht. Gut fühlen, gut aussehen, gut riechen - und alles in einem Maß, dass sympathisch macht, sagt Krausser-Raether. Auch zu viel Schmuck und zu grelle Farben irritieren nur.

Auch die Umgangsformen sollten stimmig sein: «Höflich sollte man sein und immer den Gesprächspartner anschauen», sagt Knobbe. Wer allzu nervös ist, kann in gestenreicher Kommunikation Dampf ablassen. «Aber nicht mediterran», schränkt der Berater ein. Dennoch: das Gestikulieren, so es zum Typus des Bewerbers passt, wirkt dynamisch. «Und man kann etwas mit seinen Händen machen - man muss sie nicht in den Taschen verstecken oder nervös kneten.»