Eine Banklehre kann nie schaden - Nachwuchs wird wieder gesucht

Von Andreas Heimann, dpa

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Hilmar Kopper hätte gerne Architektur studiert. Aber sein Vater riet ihm: «Eine Banklehre kann nie schaden». Und daran hat sich der Sohn auch gehalten. Geschadet hat es tatsächlich nicht - schließlich hat es Kopper bis zum Chef der Deutschen Bank gebracht. Eine Ausbildung zum Bankkaufmann gilt immer noch als solide Karrieregrundlage. Ständige Weiterbildung ist allerdings wichtiger denn je. Andererseits sind die Perspektiven in der Finanzbranche für den Nachwuchs nach mehreren schwierigen Jahren mit deutlichem Stellenabbau wieder besser geworden.

Wie begehrt eine in der Regel dreijährige Ausbildung in der Branche ist, zeigt sich gerade bei der Deutschen Bank: «Wir stellen gut 600 Azubis pro Jahr ein», sagt Judith Roth, die für die Berufsausbildung zuständig ist. «Einen Großteil unserer Mitarbeiter im Privatkundengeschäft bilden wir selbst aus.»

Das Auswahlverfahren ist aufwendig. «Wir haben ein Mini-Assessment-Center entwickelt.» Von den jährlich rund 23 000 Bewerbern werden etwa 2000 bis 3000 dazu eingeladen. «Beim letzten Mal haben wir dann 654 als Auszubildende eingestellt.» Die Chance auf eine Übernahme ist gut: «Es bleiben zwischen 65 und 75 Prozent», sagt Roth. «Die Deutsche Bank ist ein großes Haus mit 770 Filialen. Das ist ein großer Vorteil für alle, die mobil sind.»

Rund 12 000 Auszubildende gibt es bundesweit. Die Erwartungen an Bewerber sind insgesamt nicht ohne: «Von unseren Azubis haben 70 Prozent Abitur, 30 Prozent einen Abschluss von der Real- oder Höheren Handelsschule», erzählt Matthias Saecker von der Hamburger Sparkasse (HASPA). «Die kaufmännischen Anforderungen sind so hoch, dass es kaum Sinn machen würde, Hauptschüler einzustellen», sagt der Leiter der Abteilung Aus- und Fortbildung. «Realschüler hätten wir allerdings gerne mehr. Viele trauen sich nicht, sich zu bewerben oder erwarten gar nicht erst, genommen zu werden.»

Viele Jugendliche haben nach Saeckers Erfahrung ohnehin falsche Vorstellungen von der Arbeit in der Bank: «Sie glauben, man muss vor allem hervorragend rechnen können und mathematisch besonders bewandert sein.» Das stimme so nicht. «Dreisatz und Prozentrechnen sollte man natürlich beherrschen, schon falls der Rechner mal ausfällt.» Die Lehrstellen bei der Bank sind begehrt: «Wir haben rund 3600 Bewerbungen auf 200 Plätze», sagt Saecker.

Beim Auswahlverfahren wird auch nach grundlegenden Wirtschaftskenntnissen geguckt und nach sozialen Kompetenzen: «Kann der Betreffende aktiv zuhören, auf Argumente eingehen, sich ausdrücken? Das ist auch im Kundengespräch das A und O», sagt Saecker. «Und wenn ich Hemmungen habe, jemanden anzusprechen, der am Kontoauszugsdrucker steht, dann bin ich der Falsche für den Beruf.» Kundenorientierung sei sogar immer wichtiger geworden. «Allein Altersvorsorge ist superkompliziert. Da muss man den Kunden zur Seite stehen können.»

Die Perspektiven für den Nachwuchs seien «momentan glänzend», sagt Ingolf Jungmann von der Frankfurt School of Finance and Management. Nach den schwierigen Jahren am Anfang des Jahrtausends kämpften viele Banken inzwischen wieder um qualifizierten Nachwuchs. 2005 zählte die Branche rund 693 000 Mitarbeiter, etwa 80 000 weniger als fünf Jahre zuvor. Doch der deutliche Stellenabbau sei vorbei.

«Die Arbeitslosenquote von Bankkaufleuten in Frankfurt liegt bei 2,8 Prozent. Das ist praktisch nichts», sagt Jungmann. Vor allem im Vertrieb seien die Chancen für Berufsanfänger mit Talent in der Kundenberatung ausgesprochen gut. «Das gilt aber auch für das Investmentbanking oder die Analystenbereiche.»

Für die Karriere in der Bankbranche ist die Ausbildung zum Bankkaufmann meistens nur die Grundlage. Und deswegen wurde schon vor gut 50 Jahren die Bankadademie in Frankfurt gegründet, die ständige Weiterbildung und Spezialisierung ermöglichen sollte, 1990 kam eine eigene Hochschule hinzu. Beide sind inzwischen zur Frankfurt School of Finance and Management fusioniert. «Die Ausbildung ist das Entrée», sagt Jungmann. «Aber das reicht nicht. Die Geschwindigkeit der Veränderungen in der Finanzbranche hat noch zugenommen.»

Viele Berufsanfänger qualifizieren sich deswegen auch zum Bankfachwirt weiter, oft direkt im Anschluss an die Ausbildung. Dieser viersemestrige Studiengang schließt mit einer IHK-Prüfung ab - häufig in Frankfurt: «Wir sind beim Bankenfachwirt Marktführer», sagt Jungmann. «In 2006 hatten wir den 100 000. Teilnehmer im Bankfachwirt-Studiengang.» In der Regel läuft die Weiterbildung berufsbegleitend, manchmal ist sie sogar schon in die Ausbildung integriert.

Wer sich noch weiter qualifizieren möchte, kann auch ein Bachelor-Studium anschließen: Die Frankfurter Hochschule etwa bietet Studiengänge wie Banking and Finance, Computer Science, aber auch Philosophy and Economics an. Dafür ist dann allerdings - anders als beim Bankfachwirt - Abitur Voraussetzung. Bei den siebensemestrigen Studiengängen ist ein Auslandssemester Pflicht - in den USA, Großbritannien oder Australien zum Beispiel.

«Immer öfter aber auch in Russland, China oder Dubai», sagt Jungmann. Akademische Ausbildung und internationale Erfahrung sind zunehmend gefragt. Und der Weg bis ganz nach oben dürfte nur mit einer Banklehre heute schwierig werden. Hilmar Koppers Nachfolger Josef Ackermann ist bereits promovierter Wirtschaftswissenschaftler.

Internet: Das Bundesinstitut für Berufsbildung informiert ausführlich über die Ausbildung zum Bankkaufmann unter www2.bibb.de/tools/aab/aab_start.php