Anlagenmechaniker für Heizung und Sanitär durch Klimawandel gefragter

Von Angelika Röpcke, dpa

Riesa/Köln (dpa/tmn) - Montage und Wartung von Solaranlagen oder Heizungen, Einsatz auf Baustellen oder in Wohnungen, Kundenberatung und -betreuung: An Vielseitigkeit im Berufsleben mangelt es Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik nicht. Der Beruf ist relativ neu und vereint die Fähigkeiten eines Gas- und Wasserinstallateurs sowie eines Zentralheizungs- und Lüftungsbauers mit dem Anlagenmechaniker für Versorgungstechnik. Damit hat die Berufsausübung auch einen anderen Dreh bekommen - vom rein handwerklichen Beruf zum heute kundenorientierten Dienstleistungsjob.

«Anlagenmechaniker müssen eine Vorliebe für wechselnde, insgesamt aber überschaubare und wiederkehrende Arbeiten haben», sagt Thomas Proschwitz von der Agentur für Arbeit im sächsischen Riesa. Das Tätigkeitsspektrum reiche von der Installation von Sanitärobjekten in einem Wohnhaus bis zur Programmierung von Steuerungen der Klimatechnik in einem Bürogebäude. Wer diesen Job machen möchte, sollte handwerklich arbeiten und anpacken können. «Abneigung gegen Lärm, Nässe, Staub oder Schmutz und gegen Teamarbeit darf es nicht geben», sagt Proschwitz.

«Es ist ein hochinteressantes Berufsbild», meint Reiner Zieprig, der beim Bundesindustrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) in Köln tätig ist. Gerade in Zeiten erhöhten Klimabewusstseins gewinne der Beruf zunehmend an Bedeutung. «Um energieeffiziente haustechnische Systeme zu erstellen, bedarf es immer mehr so genannter Bus-Systeme.» Der Bus ist ein Leitungssystem zum Austausch von Daten. Soll eine moderne Heizungsanlage eingebaut werden, müsse der Anlagenmechaniker in der Lage sein, mit Hilfe der Bus-Systeme in jedem Raum den Energieverbrauch zu ermitteln und ein «effizientes Energiemanagement bei höchstem Komfort sicher zu stellen», erläutert Zieprig.

Der Anlagenmechaniker baut also nicht mehr nur einfache Heizkessel in die Keller von Wohnhäusern ein oder installiert die Mischbatterie - vielmehr wird der Job angesichts der Debatte um mehr Energieeffizienz zunehmend komplexer. «Zum Beispiel durch eine elektronisch kontrollierte Be- und Entlüftung», die der Mechaniker bei vorbildlich gedämmten Räumen installieren muss, sagt Zieprig. Sensoren messen die Kohlendioxid-Konzentration im Raum und die Feuchtigkeit - und im Wechselspiel mit der elektronisch gesteuerten Heizungsanlage öffnen sich bei Bedarf die Fenster, erläutert der Experte.

Dreieinhalb Jahre Lehrzeit braucht es, um diese aufwendigen Arbeiten ausüben zu können. Darüber hinaus sind zahlreiche Weiterbildungskurse nötig, damit zum Beispiel auch Systeme der Solarthermie zur Warmwasserzubereitung eingebaut werden können. Neben diesen Anforderungen muss der Anlagenmechaniker aber auch die klassischen Installationsarbeiten ausführen können. «Er baut Bäder, Rohrleitungsanlagen, bringt alle Geräte an, installiert Fühler», sagt Petra Westpfahl vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aus Bonn. «Aber er geht auch zum Kunden, wenn die Heizungsanlage streikt.»

Daneben habe der Anlagenmechaniker weit reichende Kenntnisse, um Solaranlagen auf dem Dach oder Lüftungsanlagen zu installieren. «Es ist ein Beruf mit unheimlich vielen Facetten», sagt Westpfahl. Ohne handwerkliche Begabung und Abstraktionsfähigkeit gehe nichts. Aber auch umfangreiche Mathematikkenntnisse und Interesse an Regelungstechnik seien ein Muss. «Der Job hat sich von einem ehemals schlichten Beruf zu einem High-Tech-Beruf entwickelt.» Schüler, die diesen Job anstreben, sollten Westpfahl zufolge einen Hauptschulabschluss mit guten Noten vorweisen können, vor allem in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Mittlere Reife oder Abitur wären noch besser.

Im ersten Lehrjahr verdienen die Auszubildenden nach Angaben des BIBB rund 750 bis 800 Euro brutto. Die Chancen, eine Lehrstelle zu bekommen, stehen gar nicht so schlecht: «Lehrlinge werden händeringend gesucht», sagt Westpfahl. Anlagenmechaniker werden immer gefragter. «Es stehen derzeit unheimlich viele Betriebe zur Geschäftsübergabe an. Zudem ist der Beruf krisenfest.» Heizungen würden immer gebraucht - vor allem, weil mit technischen Neuerungen wie den Brennstoffzellen ständig neue Herausforderungen und damit neue, spezielle Arbeitsfelder hinzukämen. «Und der Klimawandel gibt dem Beruf auch noch einen Auftrieb.»

Nach der Lehre finden die Anlagenmechaniker in Unternehmen, die Heizungen bauen, aber auch im Bereich der Klimatechnik einen Job, sagt Thomas Proschwitz. «Dort können sie als Wartungs- und Betriebsmonteur, Spezialist für Fernheizungs- und Gasfeuerungsanlagen oder als Experte für Klima- und Solaranlagen arbeiten.» Hinsichtlich der erneuerbaren Energien empfiehlt Proschwitz allerdings Aufbauseminare in Wasser- und Lufttechnik sowie in Wärme- oder Umwelttechnik: «War die Installation einer Solaranlage vor einigen Jahren noch ein Ausnahmefall, gehört sie heute zum Standard.»