Klassisches Handwerk: Die neue Ausbildung zur Bestattungsfachkraft

Von Claudia Bell, dpa

Düsseldorf (dpa/tmn) - «Bestatter? Ach herrje, die verkaufen doch eh nur Särge und holen die Toten ab.» Dieses Vorurteil bekommt Sascha Altes nicht selten zu hören. Dabei liebt der 21-Jährige diesen Beruf, und genau deshalb hat er sich nun dazu entschlossen, die dreijährige Ausbildung zur geprüften Bestattungsfachkraft zu absolvieren. «Der Beruf des Bestatters ist unglaublich vielseitig, man hat viel mit Menschen zu tun und die verschiedensten Dinge zu erledigen», erzählt Altes, der seit dem 1. August die Berufsausbildung in einem alteingesessenen Düsseldorfer Bestattungsunternehmen absolviert.

Sascha Altes ist einer der 360 zukünftigen Bestatter, die derzeit nach der seit dem 1. August geltenden neuen Ausbildungsordnung lernen. Von den bundesweit 3800 Bestattungsinstituten bilden 12 Prozent aus, so der Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB) in Düsseldorf. Verbandsgeschäftsführer Rolf Lichtner sieht es sehr positiv, dass die bisherige, berufsbegleitende Ausbildung nun in eine Verordnung mit festen Ausbildungsmodulen geändert wurde.

Eine tariflich festgelegte Ausbildungsvergütung gibt es nicht. In der Regel verdient ein Azubi zwischen 320 Euro im ersten und 420 Euro im dritten Lehrjahr. Der Inhalt der aktualisierten Ausbildungsordnung ist breit gefächert. Das Organisieren von Trauerfeiern, das Bearbeiten von Bestattungsaufträgen und Verwaltungsaufgaben gehören ebenso dazu wie Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie der Umgang mit Riten und Gebräuchen der verschiedensten Kulturen und Religionen. «Auf die Azubis kommt nicht nur fachlich einiges zu, aber sie wissen ja auch, auf was sie sich einlassen», sagt Thomas Borowiec vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Bei diesem Berufsbild stelle man sich als Lehr-Verantwortlicher schon auch manches Mal die Frage, ob man diese - vor allem psychischen - Belastungen den Jugendlichen überhaupt zumuten könne. «Doch diese Frage kann man ganz klar mit Ja beantworten», betont Borowiec. Denn im Grunde sei der Beruf des Bestatters hauptsächlich eines: ein klassischer Handwerksberuf.

Gleichwohl ist «Handwerk» der Begriff, den die wenigsten Menschen tatsächlich mit dem Beruf des Bestatters verbinden. Und doch sehen sich die «Totengräber», wie sie häufig im Volksmund genannt werden, als genau das. «Wir sind eigentlich ein ganz normaler Bürobetrieb, in dem durchaus auch einmal gelacht werden darf», erzählt die Bestatterin Almut Salm aus Düsseldorf. Natürlich spiele die psychologische Komponente eine wichtige Rolle in ihrem Beruf.

Schließlich habe man nicht nur den täglichen «Umgang» mit den Toten, sondern vor allem mit deren trauernden Hinterbliebenen, bei dem viel Fingerspitzengefühl gefragt sei. Seit fast 16 Jahren arbeitet die 50-jährige Düsseldorferin nun in diesem Beruf, und eigentlich mache ihr nur eines richtig zu schaffen: «Wenn die Angehörigen eine anonyme Beerdigung wünschen und den Verstorbenen ohne irgendeine Feierlichkeit oder dergleichen so schnell als möglich unter die Erde bringen möchten: Da muss ich schon schlucken.»

Eine Erfahrung, die ihr Azubi Altes allerdings bislang noch nicht machen musste - und das, obwohl er seit seinem 15. Lebensjahr im elterlichen Bestattungsbetrieb mitgeholfen und in seinem jungen Leben schon zahlreiche Tote und auch viel Leid gesehen hat. Gleichwohl ist er froh um den psychologischen Teil innerhalb der Ausbildung, der teilweise von der Universität Regensburg übernommen wird.

Dort arbeitet der Theologe und Psychologe Prof. Thomas Schnelzer mit den Auszubildenden und versucht ihnen vor allem eines klarzumachen: «Indem man den Umgang mit dem Tod ins Lächerliche zieht, tut man sich keinen Gefallen. Man sollte diese Belastung als positive Herausforderung ansehen und entsprechend würdevoll damit umgehen.» Er versucht, den Azubis dabei zu helfen, ihre Gefühle richtig einzuordnen. «Natürlich geben viele nicht preis, wie es wirklich in ihnen aussieht; aber man kann mit ein bisschen psychologischer Schulung schon einiges erreichen.»

«Viele meinen, dem Bestatter hafte eine latent morbide Stimmung an, und er laufe stets mit gesenktem Kopf durch die Welt», sagt BDB-Geschäftsführer Lichtner. «Aber dem ist ganz und gar nicht so.» Schließlich sei der Tod etwas Natürliches, mit dem sich jeder irgendwann beschäftigen müsse; zudem sterbe ja nicht jeder Mensch auf tragische Art und Weise.

Das sieht auch Azubi Sascha Altes so, den die tägliche Berührung mit dem Tod keineswegs belastet, sondern die im Gegenteil viel Positives birgt. «Aus den Begegnungen mit manchen Hinterbliebenen sind sogar im Lauf der Jahre richtig gute Freundschaften geworden, weil man sich in der Zeit des Trauerns sehr nahe gekommen ist», erzählt er. Für ihn ging mit der Zusage für die Ausbildungsstelle im Bestattungsinstitut ein Wunschtraum in Erfüllung.

Informationen:

  • Bundesverband Deutscher Bestatter, Volmerswerther Straße 79, 40221 Düsseldorf (Tel.: 0211/16 00 810, Internet: www.bestatter.de)
  • Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Robert-Schuman-Platz 3, 53175 Bonn (Internet: www.bibb.de)