Mechatroniker für Kältetechnik - Ein High-Tech-Job in kühlen Gefilden

Von Angelika Röpcke, dpa

Niedersachswerfen/Bonn (dpa/tmn) - Kühltruhen in Supermärkten sind im Vergleich zu den heimischen schon riesig, die Kühlhäuser der Läden regelrecht gigantisch. Fallen sie mal aus oder arbeiten nicht mit voller Leistung, entsteht durch den Verlust der Lebensmittel schnell ein Schaden von mehreren zehntausend Euro. Aber nicht nur in solchen Notfällen sind Mechatroniker für Kältetechnik, besser bekannt als Kälteanlagenbauer, gefragt. Sie installieren auch Klimaanlagen in Büroräumen, sorgen für die richtige Temperatur in Gebäuden, in denen Computerserver arbeiten, oder optimieren Kälte- und Klimaanlagen aus ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten.

«Man sollte schon technisches, aber auch handwerkliches Geschick für den Beruf mitbringen», sagt Jörg Peters aus dem thüringischen Niedersachswerfen. «Es ist ein High-Tech-Job, in dem auch Computerkenntnisse wichtig sind.» Der Geschäftsführer der Landesinnung Kälte-Klima-Technik Thüringen wünscht sich von Interessenten für die dreieinhalbjährige Ausbildung einen guten Schulabschluss: «Schön wäre es, wenn man einen Abschluss der 10. Klasse hat oder ein guter Hauptschüler war.» Interesse für Physik, Chemie, Mathe und Werken sei ebenfalls gefragt.

Den Kälteanlagenbauer gibt es Peters zufolge seit Jahrzehnten. Nach der derzeitigen Reform der Ausbildungsverordnung soll der Beruf künftig Mechatroniker für Kältetechnik heißen. Mit dieser Bezeichnung werden sich jedoch auch die Lerninhalte ändern. «Früher gehörte das erste Lehrjahr überwiegend der Metallgrundausbildung», sagt Peters, der auch die Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik in Niedersachswerfen leitet. Mit dem Wandel des Berufes stehe nun zu mehr als 50 Prozent die Elektro- und Steuerungstechnik im Mittelpunkt. Dann könnten die Gesellen später etwa Milchkühlanlagen installieren oder wissenschaftliche Labore klimatisieren.

«Vor allem die Teamfähigkeit soll nun gezielt in der Ausbildung angegangen werden», sagt Lothar Rütter vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aus Bonn. Darüber hinaus sollen die jungen Menschen öfter mit elektronischen Medien arbeiten, die in diesem Job gebraucht werden. Teilweise würden die Daten der Kühlanlagen elektronisch überwacht und Störfälle mit Hilfe eines Computers angezeigt.

«Auch die fachlichen Inhalte werden nach der Reform auf dem neusten technischen Stand sein», meint Rütter. Schließlich habe sich gegenüber der Ausbildungsverordnung von 1982 einiges geändert. Zum einen sei die Orientierung an den Kundenwünschen immer wichtiger. Die Kommunikation mit den Auftraggebern müsse den Lehrlingen genauso vermittelt werden wie das Planen und Steuern von Arbeitsabläufen.

Dem Entwurf der neuen Ausbildungsverordnung zufolge lernen die angehenden Mechatroniker aber vor allem das Installieren von elektrotechnischen Anlagen, beschäftigen sich mit Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik und montieren und demontieren Anlagen und Systeme der Kälte- und Klimatechnik. Auch der Umweltschutz erhält mehr Gewicht. So ist das Wiederverwenden und Entsorgen von Kälte- und Kühlmitteln fester Bestandteil der Lehre.

«Es ist ein Ausbildungsberuf mit gehobenen Ansprüchen», betont Helmut Vogeler, Leiter der Metalltechnikabteilung beim Bildungszentrum für Technik und Gestaltung in Oldenburg (Niedersachsen). Fertigkeiten in Metall- und Elektrotechnik, aber auch das Verständnis für Schaltungssysteme seien unerlässlich. Eingesetzt werden die Mechatroniker vor allem in Supermärkten, Kühlhäusern oder Bürokomplexen - überall, wo Klimaanlagen einwandfrei funktionieren müssen. «Die Arbeit ist umfangreich und kompliziert, denn es geht hier um die Kühlung auf einen Zehntel genau», sagt Vogeler.

Azubis werden nach BIBB-Angaben meist tariflich bezahlt und bekommen im ersten Lehrjahr im Schnitt zwischen 311 und 490 Euro, abhängig vom Bundesland. Im vierten Ausbildungsjahr sind es dann zwischen 415 und 631 Euro. Das sei mehr als in den einfachen Installationsberufen, sagt Vogeler. Die Chancen, in einem Betrieb unterzukommen, seien nach der Lehre sehr gut. Wer erfolgreich sein will, sollte aber selbstständig arbeiten und planen können, keine Angst vor Entscheidungen und eine gute Auffassungsgabe haben, rät der Experte.

«Die Anlagen sind häufig Unikate und werden vor Ort für den Kunden gebaut», sagt der Thüringer Landesinnungschef Jörg Peters. Prinzipiell sei der Job sowohl für Männer als auch für Frauen geeignet - denn bei den teils tonnenschweren Anlagen kämen zumeist Kräne zum Einsatz. Eine Lehrstelle zu finden ist Peters Ansicht nach sehr aussichtsreich. Auszubildende fehlten überall. Auch Gesellen, Meister oder studierte Kältetechniker seien gefragt. «Im Kälteanlagenbau ist eigentlich keiner arbeitslos - und das weltweit.»

Internet: www.biv-kaelte.de