Brauer verbinden traditionelles Handwerk mit neuer Produktionstechnik

Von Andreas Heimann, dpa

Berlin/Duisburg (dpa/tmn) - Die Zutaten sind seit Jahrhunderten die gleichen: Hopfen, Wasser und Malz. So schreibt das Reinheitsgebot für Bier von 1516 es vor. Dennoch hat sich in der Brauwirtschaft seitdem viel getan. Und die Geschindigkeit der Veränderung hat gerade in der jüngeren Vergangenheit noch einmal zugenommen. Für den Beruf des Brauers und Mälzers gilt deshalb seit dem 1. August eine neue Ausbildungsverordnung. Sie berücksichtigt nicht zuletzt die technischen Neuerungen, aber auch die veränderten Konsumgewohnheiten - den Trend weg vom Pils und hin zu Biermischgetränken zum Beispiel.

«Das Reinheitsgebot gilt natürlich noch immer», sagt Darko Zimmer vom Deutschen Brauer-Bund in Berlin. «Aber technologisch ist vieles anders geworden. Der Brauprozess wurde fast überall automatisiert.» Das Warten, Steuern und Regeln der entsprechenden Anlagen sei deshalb eine wichtige Qualifikation von Brauern der Gegenwart. Nach der neuen Ausbildungsverordnung müssten solche Kenntnisse nun vermitelt werden.

Aber auch das Planen von Arbeitsabläufen, die besondere Betonung der Teamarbeit und der Umgang mit Schankanlagen sind nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn neu im Ausbildungsprofil. «Das Berufsbild in der alten Ausbildungsverordnung war einfach überholt», sagt Werner Jansen, Leiter der Produktion der Brauerei Jever in der gleichnamigen Stadt in Friesland.

In der Brauerei in Jever gibt es zurzeit sechs Azubis, jährlich starten jeweils zwei. Die Zahl der Bewerber ist deutlich höher. «Wir schreiben gar keine Lehrstellen aus», sagt Jansen. «Viele Bewerber kommen schon über ein Schulpraktikum zu uns.» Die Mehrzahl von ihnen habe einen Realschulabschluss, sagt Jansen. «Aber wir nehmen auch Gymnasiasten, von denen hinterher viele noch studieren wollen.»

In der Regel machen alle Bewerber einen Test. Interesse an Fächern wie Biologie und Chemie ist auf jeden Fall von Vorteil. «Wenn jemand sagt, er will gerne Brauer werden, kennt aber die Formel für Sauerstoff nicht, dann wird das nichts», sagt Jansen. Auch wenn Brauen ein Handwerk ist, sei Brauer auf jeden Fall auch ein technischer Beruf, ergänzt Oliver Landsberger, Braumeister in der König-Brauerei in Duisburg. Das Interesse daran sei bei Männern deutlich größer als bei Frauen. «Das Verhältnis bei uns liegt bei 90:10.»

In der König-Brauerei wird jedes Jahr ein Brauer und Mälzer ausgebildet - für die Stelle gibt es rund 50 Bewerber. «Und zwar nicht nur aus Duisburg und der Umgebung», wie Oliver Landsberger betont. «Dieses Jahr haben wir einen Azubi aus Brandenburg eingestellt.» Die Ausbildung sei bundesweit im Prinzip gleich. «Und ein fertig ausgebildeter Brauer kann auch jede Biersorte zwischen Flensburg und Kufstein brauen.»

Während der Lehrzeit lernen die Azubis unterschiedliche Abteilungen einer Brauerei kennen: vom Sudhaus über die Filtration und die Mälzerei bis zur Flaschen- und Fassabfüllung. «Unsere Azubis gehen jeweils für mehrere Wochen auch in eine kleine Hausbrauerei», erzählt Jansen.

Trotz High-Tech im Prozessleitstand einer Brauerei sei die Arbeit manchmal auch körperlich anstrengend, sagt Oliver Landsberger. «Man muss immer noch mal mit anpacken.» Auch die «klimatischen Verhältnisse» in der Brauerei seien nicht immer ganz ohne: «Im Sudhaus, wo die Bierwürze gekocht wird, ist es sehr heiß. Im Gärkeller arbeitet man bei unter null Grad», erklärt Landsberger. «Wir in Jever arbeiten außerdem im Drei-Schicht-System, also auch nachts», sagt Werner Jansen. «Und im Sommer gibt es auch keine Fünf-Tage-Woche.»

Zu den Vorteilen gehört das Lohnniveau: «In der Brauwirtschaft wird vergleichsweise gut bezahlt», sagt Landsberger. «In Nordrhein-Westfalen liegt der Ecklohn bei 2500 Euro brutto. Dazu kommen die Schichtzulagen. Damit liegen wir schon ganz gut im Rennen.» Und wem das nicht reicht, der kann sich weiterqualifizieren. «Ein Drittel unserer Brauer haben einen Meistertitel», sagt Landsberger. Für Führungspositionen oder einen Wechsel etwa ins Controlling bietet sich ein Studium an, für das Berlin und Weihenstephan als die ersten Adresse gelten.

Die Berufsperspektiven sind nach Einschätzung des Deutschen Brauer-Bundes gut: «Das ist eine krisensichere Branche», sagt Darko Zimmer. «Und man kann nicht nur in Brauereien arbeiten, sondern auch in anderen Unternehmen der Getränkebranche.» Die Chancen auf eine Lehrstelle werden jedenfalls nicht schlechter: «Die Ausbildungszahlen sind in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesunken», sagt Landsberger. «Aber der Bedarf an Nachwuchs steigt jetzt wieder, und die Brauereien werden auch wieder mehr ausbilden.» Mit einem Abschluss nach der neuen Ausbildungsverordnung dürften die Aussichten der Brauer und Mälzer noch besser werden - in der Brauwirtschaft ebenso wie in anderen Branchen.

Informationen: Deutscher Brauer-Bund, Haus der Brauer, Neustädtische Kirchstraße 7A, 10117 Berlin (Tel.: 030/209 16 70, E-Mail: info@brauer-bund.de)