Rettungsassistenten sind die wichtigsten Helfer der Notärzte

Von Horst Heinz Grimm, dpa

Kiel/Berlin (dpa/tmn) - Der erste Helfer, der am Einsatzort aus dem Sanitätsfahrzeug springt, ist meist ein Rettungsassistent. Seine wichtigste Aufgabe ist die Notfallversorgung des Patienten bis zum Eintreffen eines Arztes. Beatmung mit Sauerstoff, Herzmassage, Geburtshilfe, Versorgung von leichten und schwersten Verletzungen gehören dazu. Und in extremen Situationen darf er zur Rettung von Menschenleben auch Maßnahmen ergreifen, die sonst Ärzten vorbehalten bleiben.

«Der Rettungsassistent ist bei Einsätzen meine rechte Hand, wir arbeiten im Team», sagt der Notarzt Jörg Beneker vom Unfallkrankenhaus Berlin. Um die höchste nicht-ärztliche Qualifikation im deutschen Rettungswesen zu erreichen, schreibt das Gesetz eine bundeseinheitliche Ausbildung von zwei Jahren vor. Der theoretische Teil wird an einer staatlich anerkannten Schule in mindestens 1200 Stunden absolviert, im zweiten Jahr müssen 1600 Stunden auf einer Lehrrettungswache geleistet werden.

Medizinische Grundlagen sowie Notfallmedizin bilden die Schwerpunkte der theoretischen Ausbildung. Dazu kommt im ersten Jahr ein Praktikum im Krankenhaus. Die angehenden Assistenten müssen im Operationssaal und auf der Intensivstation ihr Wissen erweitern, ehe sie zur ersten staatlichen Prüfung zugelassen werden. Künftig ist mit einer Ausbildungsdauer von drei Jahren bei insgesamt 4600 Stunden sowie verschärften Zugangsbedingungen zu rechnen.

Für die Aufnahme in einer der auf diesen Beruf spezialisierten Schulen reichen ein Mindestalter von 18 Jahren, ein polizeiliches Führungszeugnis und ein qualifizierter Hauptschulabschluss. Doch die Praxis sieht inzwischen anders aus. «Hauptschüler machen nur noch 18 Prozent aus. 40 Prozent der Bewerber haben eine Realschule absolviert, ebenso viele sind Abiturienten», erklärt Ingo Kolmorgen, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Rettungsassistentenschulen in Kiel.

«Wer von den Anwärtern die Hochschulreife besitzt, will meist Humanmedizin studieren und nutzt diese Ausbildung zur Überbrückung von Wartesemestern», sagt Kolmorgen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen seien höchst wertvoll. «Die Ausbildung an einer staatlichen Rettungsassistentenschule kostet zwischen 3000 und 5000 Euro», so Marco K. König vom Deutschen Berufsverband Rettungsdienste (DBRD) in Kiel. Sie wird in der Regel von den künftigen Arbeitgebern finanziert. Der Dienst an der Lehrrettungswache allerdings wird vergütet. «1000 Euro brutto sind zu erwarten», sagt König. Die Einsatzpläne sehen Schichtarbeit auch an Wochenenden und nachts vor.

Im Rettungsdienst wird man wird nicht reich - Kolmorgen zufolge sind am Anfang monatlich zwischen 1700 und 2300 Euro brutto realistisch. Im Rettungswesen in Deutschland seien insgesamt etwa 45 000 Menschen tätig, schätzt König. Die vier großen Hilfsorganisationen, private und öffentliche Rettungsdienste sowie Feuerwehren und auch die Bundeswehr beschäftigen Rettungsassistenten. Sie sind nicht zu verwechseln mit Rettungssanitätern, deren Ausbildung nicht vom Gesetz bundeseinheitlich geregelt ist.

Eine Qualifikation ist praktisch unverzichtbar: «Ohne den Führerschein der Klasse C 1, der für Fahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen gilt, hat der angehende Rettungsassistent größte Schwierigkeiten.» Er müsse in der Lage sein, Rettungswagen sicher zu fahren. So gibt es schon im praktischen Jahr spezielle Kurse, um mit Blaulicht und Martinshorn auch bei dichtem Verkehr schnell an den Einsatzort zu kommen und Patienten sicher zum nächsten Krankenhaus zu bringen.

«Der Einsatz der ausgebildeten Rettungsassistenten gewinnt durch die anstehenden Reformen im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung. Auch ihre Kompetenzen werden noch erweitert», kündigt Kolmorgen an. Wichtig für den Beruf sind die Abschlussnoten: «Ein "Ausreichend" im Zeugnis reicht oft nicht, um eine Anstellung zu bekommen.» Für Rettungsassistenten sei Weiterbildung Pflicht, sagt Franz Heinzmann, Studienleiter einer Fachschule in Düsseldorf. Von ihrem Wissen hängen schließlich Menschenleben ab. «Deshalb müssen jedes Jahr mindestens 30 Stunden in Theorie und Praxis nachgewiesen werden.»

Informationen: Deutscher Berufsverband Rettungsdienste (DBRD), Flintkampsredder 1-3, 24106 Kiel (E-Mail: info@dbrd.de, Internet: www.dbrd.de).