Von Verkauf bis Marketing: Industriekaufleute arbeiten vielseitig

Von Sebastian Knoppik, dpa

Wolfsburg/Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Vor allem gut mit Zahlen umgehen können muss ein Industriekaufmann. Das gilt nach wie vor. Aber mit dem Wandel der Wirtschaft sind die Anforderungen an den Beruf gestiegen. Kommunikationsfähigkeit, Geschick im Umgang mit dem Computer sowie Organisationstalent sind nur einige der Fähigkeiten, die künftige Industriekaufleute mitbringen sollten. Nach der Ausbildung können sich Industriekaufleute weiterbilden - etwa zum Betriebswirt.

«Der Industriekaufmann ist ein anspruchsvoller und zukunftsfähiger Beruf», sagt Klaus Heimann, Berufsbildungsexperte der IG Metall in Frankfurt. Das Aufgabenspektrum ist breit und reicht von der Auftragsannahme bis zum Verkauf von Produkten. In Abstimmung mit anderen Abteilungen des Betriebs optimieren sie Arbeitsprozesse, verwalten das Personal oder verhandeln mit Lieferanten. Während der Ausbildung stehen daher unter anderem Themen wie Kosten- und Leistungsrechnung, Buchhaltung oder Marketing und Absatz auf dem Programm.

Grundsätzlich steht der Beruf allen offen. Laut Statistischem Bundesamt haben aber inzwischen immerhin 45 Prozent der Auszubildenden Abitur. «Mit einem guten Realschulabschluss hat man aber ebenso beste Chancen auf einen Ausbildungsplatz», sagt Hella Lüth, Referentin für kaufmännische und Dienstleistungsberufe beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin.

Neben guten schulischen Leistungen sollten Bewerber auch einige Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringen, die nicht auf dem Zeugnis bewertet werden: «Vor allem kommunikative Fähigkeiten sind heute gefragt», sagt Lüth. «Der introvertierte Typ sollte eher nicht die Ausbildung zum Industriekaufmann einschlagen», bestätigt Klaus Heimann: Die Fähigkeit zum konzentrierten, systematischen Arbeiten, Sorgfältigkeit und ein sicheres Auftreten sind weitere Qualtitäten, die Bewerber mitbringen sollten.

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn verdienen Azubis zum Industriekaufmann im ersten Ausbildungsjahr im Schnitt 647 Euro. Im dritten Ausbildungsjahr sind es durchschnittlich 777 Euro. Für ausgelernte Industriekaufleute beträgt das durchschnittliche tarifliche Gehalt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zwischen 2404 und 2738 Euro. Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber - etwa für Abiturienten - verkürzt werden. «Mindestens zwei Jahre sollte die Ausbildung aber schon dauern. Sonst hat man Mühe, die Ausbildungsinhalte rüberzubringen», sagt Hella Lüth vom DIHK.

Nach der Ausbildung bieten sich für Industriekaufleute verschiedene Einsatzgebiete an. So können sie in sämtlichen Industriebranchen unterkommen: Von der Auto- über die Konsumgüter- bis zur Elektroindustrie. Aber auch im Bereich industrieller Dienstleister, beispielsweise in der Logistik, können Industriekaufleute eingesetzt werden. Und schließlich werden sie in verschiedenen Abteilungen von Unternehmen eingesetzt - etwa in Einkauf, Vertrieb, Marketing oder Controlling.

Abiturienten können die Ausbildung zum Industriekaufmann mit einem Hochschulabschluss verknüpfen. Dies ist möglich im Rahmen eines dualen Studiums, wie es beispielsweise von der Fachhochschule Braunschweig/Wolfsburg am Standort Wolfsburg angeboten wird. «Der Vorteil für die Studenten ist, dass in besonderem Maße Theorie und Praxis verknüpft werden. Außerdem haben die Absolventen nach vier Jahren sowohl eine abgeschlossene Ausbildung als auch einen Studienabschluss», erklärt Dekanin Susanne Stobbe.

Die Arbeitgeber, unter anderem ist die Volkswagen AG dabei, übernehmen die Studienkosten und geben den Studenten teilweise sogar eine Arbeitsplatzgarantie. Im Gegenzug sind die jungen Menschen nach der Ausbildung verpflichtet, sich mehrere Jahre an den Arbeitgeber zu binden, wie Susanne Stobbe erklärt. Dabei sei das duale Studium in Wolfsburg nicht einmal viel anspruchsvoller als ein normaler Hochschulbesuch, da die beiden Ausbildungen nicht parallel, sondern im Wechsel stattfinden: «Allerdings haben die Studenten keine Semesterferien, weil sie in dieser Zeit im Betrieb ausgebildet werden.»

Internet: www.industriekaufmann24.de