Jobangebote gibt's im Waschraum: Work & Travel auf eigene Faust
Von Stefanie Hiekmann, dpa
Osnabrück (dpa/tmn) - Reisen und dabei nebenher arbeiten - das ist ein Traum, den viele Schulabgänger haben. Denn so werden auch längere Auslandsaufenthalte möglich. Und ein Job in einer Strandbar ist ein angenehmer Kontrast zum Schulalltag. Sogenannte Work & Travel-Programme machen das möglich. Ein Auslandsjahr mit kleinen Jobs lässt sich aber auch auf eigene Faust organisieren. Besonders eignet sich dafür Australien.
Diese Erfahrung hat Mira Bangel gemacht. Drei Tage nach ihrem Abitur in Osnabrück ist die heute 24-Jährige mit dem Flugzeug nach Australien aufgebrochen. Sie wollte einen Tapetenwechsel und für eine gewisse Zeit allein auf der anderen Seite des Planeten leben. Warum Mira ihr Australienjahr selbst organisiert hat? «Zum einen habe ich dadurch das Geld für eine Reiseorganisation gespart und zum anderen habe ich durch die Recherche- und Organisationsarbeit auch eine Menge gelernt», erzählt sie.
Die Frage, ob man mit oder ohne professionelle Hilfe zu «Working-Holidays» aufbricht, steht zu Beginn jeder Reiseplanung. «Das ist eine sehr persönliche Entscheidung», findet Mira. Denn Voraussetzung für die Eigenorganisation sind nicht nur Selbstbewusstsein und eine gründliche Planung. Auch am Ort muss man offen auf Menschen zugehen, um sich Jobs und Unterkünfte selbst zu organisieren. Leute, die mit einem Veranstalter reisen, haben meist ein Büro am Ort, das ihnen bei Fragen und der Jobsuche weiterhilft.
«Wer sowieso eine Veranlagung zum Chaoten hat, wird es schwer haben, das Vorhaben alleine durchzuführen», sagt Ramon Tissler vom Zentrum für Internationale Bildung und Karriere in Münster. Reisende müssten sich zutrauen, auch in schwierigen Situationen, etwa wenn sie länger keinen Job finden, einen kühlen Kopf zu bewahren. «Dann ist eine Eigenorganisation durchaus zu empfehlen.»
Bei der Planung des Auslandsaufenthaltes hilft vor allem das Internet: Hier erfahren künftige Work & Traveller zum Beispiel, dass sie sich ein Working-Holiday-Visum, eine Auslandskrankenversicherung und ein ausländisches Konto mit Kreditkarte organisieren müssen.
«Die Organisation ist sehr einfach», findet Sabine Hopf aus Berlin. Die 52-Jährige pflegt das Online-Magazin «Reisebine», das sich auf Work & Travel-Aufenthalte in Australien spezialisiert hat. Informationen zur Flugbuchung, Jobsuche, Unterkunft und zum Gepäck werden auf der Internetseite durch Erfahrungsberichte von Menschen wie Mira Bangel ergänzt. «Ich habe für meine Reise auch viele Menschen befragt, die mir aus ihren Erfahrungen berichten konnten», erzählt Mira. Nun gibt sie ihr Wissen bereitwillig weiter.
Sabine Hopf weiß aus Vorbereitungsseminaren, wovor sich die meisten zu Beginn der Reise fürchten: Ohne Job im Outback zu stehen. Um das Abenteuer mit einem beruhigenden Gefühl zu beginnen, rät sie, ausreichend Geld mitzunehmen. «So hat man nicht gleich Druck, wenn man erst keinen Job findet.» Mira sieht die Jobsuche dagegen entspannt: «Das Land ist auf Reisende, die Arbeit suchen, eingestellt.» An vielen Stellen finde man Aushänge mit Jobangeboten.
Work & Traveller können bis zu sechs Monaten bei einem Arbeitgeber bleiben. Sie verdienen umgerechnet etwa sechs bis neun Euro pro Stunde. Der Betrag variiert jedoch stark. Wer in der Landwirtschaft mit alter Kleidung zum «Fruitpicking» - der Obsternte - auf die Felder geht, wird kaum eine Bewerbung oder einen Lebenslauf brauchen. «Für Aushilfsjobs in Restaurants zum Beispiel sollte man aber in jedem Fall ordentliche Kleidung und englischsprachige Bewerbungsunterlagen im Gepäck haben», rät Sabine Hopf.
Als Unterkunft empfiehlt sich meist das örtliche Backpackerhostel, was preislich und organisatorisch einer Jugendherberge ähnelt. «Hier findet man übrigens auch die besten Jobideen», verrät Mira. «Am besten ist es, wenn man im Waschraum auf seine Wäsche wartet und vielen Leuten erzählt, dass man einen Job braucht.» Gerade in Australien, wo Sabine Hopf zufolge die meisten Work & Traveller unterwegs sind, fühle man sich schnell in einer Gemeinschaft. «Da tankt man neue Kraft für die nächste Etappe und wird mit Jobtipps und Geschichten versorgt», sagt Mira.
Statt möglichst viel von zu Hause aus zu organisieren, sollte man besser nur grob planen, rät Mira: «Vieles ergibt sich dort von einem Tag auf den anderen.» Wer seine Reise mit einer festgelegten Route beginnt und die Hostels bereits für ein halbes Jahr vorab gebucht hat, nimmt sich selbst Flexibilität. Das gilt auch für die Dauer des Aufenthalts: Ob man nun drei, sechs oder zwölf Monate wegbleibt, kann ruhig unterwegs entschieden werden. «Eine Mitreisende ist nach einem halben Jahr nach Hause geflogen», erzählt Mira. «Das war für sie genauso gut, wie es für mich richtig war, dass ich noch ein halbes Jahr geblieben bin!»
Internet:
- Australische Botschaft: www.germany.embassy.gov.au
- Neuseeländische Botschaft: www.nzembassy.com/home.cfm?c=1
- Kanadische Botschaft: www.dfait-maeci.gc.ca/canada-europa/germany/