Von Wärmedämmung bis Sanierung - Stuckateure sind nicht nur Gipser

Von Claudia Bell, dpa

Triberg/Heilbronn (dpa/tmn) - Es ist ein kalter, ungemütlicher Tag. Wer nicht unbedingt vor die Tür muss, bleibt in der guten Stube und trinkt einen heißen Tee. «Optimales Stuckateur-Wetter», findet Werner Kaiser - denn an solchen Tagen können sich Stuckateure entweder im Trockenen um Innenputzarbeiten kümmern oder notfalls Überstunden abfeiern. Der Stuckateurmeister und Landesvorsitzende des Fachverbandes der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg muss es wissen. Er hat vor vielen Jahren den Betrieb im schwäbischen Triberg vom Vater übernommen und kennt die Vor- und Nachteile dieses Berufs. Insgesamt 17 Mitarbeiter beschäftigt Kaiser, davon sind 3 Auszubildende.

Seine Lehrlinge seien hoch motiviert, sagt Kaiser. Er habe aber lange nach solch fähigen Azubis suchen müssen. Denn auch die Stuckateure klagen über die zum Teil mangelhafte Qualifikation der jugendlichen Bewerber. Dabei müsse ein angehender Stuckateur vieles können, stets den Überblick auf der Baustelle behalten, fit im Kopf sein und einen angemessenen Umgang mit dem Kunden pflegen, sagt Kaiser. Stuckateur sei mittlerweile eines der wichtigsten Gewerke - nicht zuletzt deshalb, weil ein Stuckateur auch für die Themen Wärmedämmung, Sanierung, Verputzen oder Denkmalpflege verantwortlich sei.

Problematisch sei der schlechte Ruf, der dem Stuckateur anhafte - und die Unkenntnis unter den Schulabgängern über den Beruf. «Diejenigen, die zu uns kommen, wissen, was sie bekommen; doch diejenigen, die nicht zu uns kommen, werden es eben leider nie erfahren», bedauert Kaiser. Zudem sei die Bezahlung nicht die schlechteste, immerhin verdiene ein Azubi im dritten Ausbildungsjahr 1200 Euro, ein ausgelernter Geselle 2800 Euro brutto im Monat .

Die Vorteile des Berufs weiß auch Alexander Reischl zu schätzen. Vor eineinhalb Jahren hat der 24-Jährige seine Ausbildung abgeschlossen. «Eigentlich vereinen wir als Stuckateure fünf bis sechs Berufe in einem: Wir sind Putzer, Gipser, Stuckateur und kennen uns im Trocken- und Gerüstbau aus», erklärt er. Auch Reischl kennt die Vorurteile über seine Branche: Auf den Baugerüsten stehen und dabei den Frauen hinterherpfeifen, das sei die Hauptbeschäftigung der «Gipser», bekomme er oft zu hören.

Reischl zieht deshalb im Auftrag des Verbandes als «Azubi-Botschafter» durch Haupt- und Realschulen, um den Schülern seinen Beruf schmackhaft zu machen. Den Einwand vieler Jugendlicher, dass man als Stuckateur die meiste Zeit im Freien - womöglich in der Kälte - zubringen müsse, lässt Reischl nicht gelten. «An das Wetter gewöhnt man sich, und wer diesen Beruf erlernt, der weiß auch, was auf ihn zukommt und wird schnell merken, wie viel Spaß das alles macht.» Er selbst brauche die «Action» und die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen. Und ihn fasziniere das hohe Maß an Kreativität, das ein Stuckateur mitbringen müsse.

Auf dem Bau herrscht allerdings oft ein rauer Umgangston. Vielleicht sei das auch einer der Gründe, weshalb so wenige junge Frauen diesen Beruf erlernen wollten, sagt Reischl. Tatsächlich sind unter den bundesweit rund 1900 Lehrlingen, die sich nach Angaben des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB) in Berlin derzeit im Stuckateurhandwerk ausbilden lassen, gerade etwa 40 Frauen. Ähnlich sieht es mit der Frauenquote an der Bundesfachschule für Stuckateure in Heilbronn aus: «Unter den derzeit 24 Meisterschülern ist nur eine einzige Frau», erzählt Schulleiterin Ursula Steudle.

Über mangelndes Interesse seitens der ausgelernten Stuckateure müsse sich die Schule allerdings keine Gedanken machen, betont Steudle: «Auch wenn das Meisterjahr schon ziemlich anstrengend ist, sind unsere Klassen jedes Jahr voll.» Und diejenigen, die nach Heilbronn kommen, sind ihrer Einschätzung nach alle hochmotiviert. «Unsere Meisterschüler haben eine hohe Identifikation mit ihrem Handwerk und sind am Ende einer Arbeit auch mächtig stolz auf das, was sie geschaffen haben.»

Sie hängen das nicht unbedingt an die große Glocke. Doch der Landesverbandsvorsitzende Werner Kaiser bringt es auf den Punkt: «Sie können sicher sein: Wenn ein Stuckateur eine Wand schön verputzt und womöglich auch schön verziert hat, dann wird er anschließend mit seiner Freundin an dem Haus vorbeifahren und ihr sein Werk zeigen.»

Informationen:

  • Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg, Wollgrasweg 23, 70599 Stuttgart (Tel.: 0711/45 12 30, Internet: www.stuck-verband.de)
  • Zentralverband des Deutschen Handwerks, Mohrenstraße 20/21, 10117 Berlin (Tel.: 030/20 61 90, Internet: www.zdh.de); Bundesfachschule für Stuckateure an der Johann-Jakob-Widmann-Schule, Sichererstraße 17, 74076 Heilbronn (Tel.: 07131/56 24 56, Internet: www.meisterschule-stuckateure.de).