Ohne Gleisbauer läuft auf Deutschlands Schienen gar nichts

Von Horst Heinz Grimm, dpa

Berlin/Augsburg (dpa/tmn) - Gleisbauer sind speziell ausgebildete Facharbeiter. Ohne sie können auf den zehntausenden Kilometern des Schienennetzes weder die schnellen ICEs, die zahlreichen Personenzüge, die tonnenschweren Güterzüge noch die Stadt- und Straßenbahnen fahren. Und sie werden gebraucht: «Insgesamt sind die Berufsaussichten des Gleisbauers sehr erfreulich», sagt Sascha Nicolai vom Verband der Bahnindustrie Deutschlands (VDB) in Berlin.

Von «sehr guten Chancen» spricht auch Uwe Birkert, zuständig für die Ausbildung bei der Deutsche Bahn Gleisbau in Augsburg. «Bei uns haben alle Azubis die Chance, übernommen zu werden», sagt Martina Kubitz aus Großbeeren bei Berlin, Personalreferentin beim bundesweit tätigen Gleisbauunternehmen Spitzke AG. Wie in jedem Lehrberuf muss parallel zur Arbeit im Betrieb die Berufsschule besucht werden. Meist gibt es Blockunterricht. Die bestandene Abschlussprüfung macht den Azubi zum Tiefbaufacharbeiter.

Für einen Ausbildungsplatz sind bei den Unternehmen der Deutschen Bahn «Realschulabschluss oder guter Hauptschulabschluss» notwendig, sagt Laura Sukyte-Eickmeyer von der DB Bahnbau in Berlin. Martina Kubitz verlangt «möglichst Realschulabschluss sowie Hauptschulabschluss bei nachweislich hoher Motivation und praktischer Eignung».

In den Personalabteilungen erwartet man von den Bewerbern gute Kenntnisse in Mathematik, Physik und auch Chemie für diesen Beruf. «Technisches Verständnis ist ganz wichtig», unterstreicht Kubitz, die für 22 Gleisbau-Azubis zuständig ist. Ebenso müssen die Facharbeiter körperlich belastbar sein. «Die Arbeitsplätze liegen im Freien», sagt Birkert. Gearbeitet werde nicht nur bei Schönwetter und häufig auch nachts.

Bis vor einigen Jahrzehnte war Gleisbau eine Knochenarbeit. Heute erleichtern hochmoderne Maschinen die körperliche Arbeit. Gelbe Umbauzüge heben die Schienenstränge samt Schwellen aus der Strecke und verlegen sie neu - rund 850 Meter pro Tag. Andere Maschinen stopfen den Schotter in die Bahnkörper. Die Feinarbeit vorher und nachher übernehmen die Gleisbauer.

Größter Ausbilder für Gleisbauer ist die Bahnbau-Gruppe der Deutschen Bahn. In den Ausbildungszentren in Augsburg und in Königsborn bei Magdeburg werden derzeit rund 140 Nachwuchskräfte für den Eigenbedarf und für die Bauindustrie ausgebildet. «Unter den Mitgliedern des Verbandes Bahnindustrie gibt es sieben Unternehmen, die im klassischen Gleisbau tätig sind. Ein Großteil bildet auch selber diese Fachkräfte aus», sagt Nicolai.

Die Ausbildungsvergütung liegt im ersten Lehrjahr bei unter 600 und steigt dann auf 800 Euro. Dazu kommen gegebenenfalls Zuschläge. Ein fertiger Gleisbauer könne mit rund 2000 Euro brutto Anfangsverdienst im Monat rechnen, so Birkert. Dazu kommen Sonderzahlungen beispielsweise für Nacht- oder Wochenendarbeit.

Gleisbauern stehen wie in anderen Berufen Aufstiegsmöglichkeiten offen: In regelmäßigen Lehrgängen zur fachlichen Qualifizierung können sie es zu Vorarbeitern und zum Industriemeister bringen - und durch ein berufsbegleitendes Studium auf der Karriereleiter weiter aufsteigen. Nicht nur die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind gut, auch die Berufsaussichten für die Zukunft schätzt Nicolai positiv ein. «Deutlich wird das auch vor dem Hintergrund der Investitionen in das bestehende Schienennetz. Aus Bundesmitteln fließen jedes Jahr rund 2,5 Milliarden Euro allein in Pflege, Wartung und Erneuerung der Strecken.» Diese Arbeiten fallen in die Kompetenz der Gleisbauer.

Informationen:

  • Deutsche Bahn Gleisbau - DBG und Deutsche Gleis- und Tiefbau - DGT, Internet: www.bahnbaugruppe.de
  • Verband der Deutschen Bahnindustrie (VDB), Jägerstraße 65, 10117 Berlin (Tel.: 030/206 28 90), Internet: www.bahnindustrie.info