Rosige Aussichten für Maschinenbauer: Jobs gibts auch noch in Jahren
Von Angelika Röpcke, dpa
Berlin/Düsseldorf (dpa/tmn) - Längst arbeiten Maschinenbauer nicht mehr nur in der Autoindustrie. Die Luftfahrtbranche beschäftigt die Ingenieure genauso wie die Medizintechnik, die Metallindustrie oder die Feinmechanik. Maschinenbauer kommen aber auch im Anlagenbau oder der Kunststoffindustrie zum Einsatz. Ob Mikrochips, Inline-Skates oder Windkraftanlagen - alles wird von Maschinen produziert, geregelt, überwacht und angetrieben. Doch der Branche fehlen die Nachwuchskräfte, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist zugespitzt. Die Ingenieure können sich aussuchen, für wen sie arbeiten möchten.
«Der Branche geht es wirklich sehr gut», konstatiert Reinhard Pätz aus Berlin vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). «Sowohl im In- als auch im Ausland verzeichnen wir Wachstumsraten.» Hauptproblem der Branche seien die Kapazitätsengpässe. «Für Facharbeiter und Ingenieure sieht es derzeit sehr gut aus.» Die Firmen bräuchten mehr Experten als es gibt. Mittelfristig werde sich diese Entwicklung noch verschärfen, vor allem, weil die älteren Semester nach und nach ausscheiden, aber zu wenig Nachwuchs folgt.
«Es gibt einen Mangel an Ingenieuren», sagt auch Sven Renkel vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf. 2007 seien pro Monat durchschnittlich 11 500 Stellen für Maschinenbauingenieure unbesetzt gewesen. Eine gemeinsame Studie mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft bestätigt: «Rund 35 Prozent der befragten 3000 Unternehmen haben Probleme, Fachkräfte zu finden», sagt Renkel. Die Auftragsbücher der Betriebe seien voll. «Solange keine Delle im Konjunkturaufschwung kommt, hat man in der Branche auch noch in fünf Jahren eine gute Chance, einen Arbeitsplatz zu finden.»
Besonders gefragt seien derzeit Maschinenbauer, die sich mit Zukunftstechnologien wie Nano- oder Lasertechnik auskennen. Renkel zufolge gilt das nicht nur für die Großindustrie. Auch der Mittelstand frage verstärkt nach diesen Spezialisten. VDMA-Experte Pätz sieht zugleich Ingenieurnachwuchs-Bedarf in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Service sowie in der Produktion. «Aber auch Facharbeiter werden händeringend gesucht, beispielsweise Schweißer, Industriemechaniker, Mechatroniker und Werkzeugmechaniker.»
Wer von den guten Aussichten der Branche profitieren möchte - die Einstiegsgehälter liegen Renkel zufolge zwischen 40 000 und 45 000 Euro brutto im Jahr -, sollte ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule nicht scheuen. «Schulabgängern würde ich ein allgemeines Maschinenbaustudium empfehlen. Das ist der breiteste berufliche Einstieg», sagt Roland Span, Studiendekan an der Ruhr-Uni-Bochum, Fakultät Maschinenbau. Nach zwei Jahren Grundstudium könnten dann verschiedene Vertiefungsrichtungen gewählt werden.
«Wenn man das aber nicht möchte, gibt es auch noch andere Möglichkeiten», erklärt Span. Denkbar sei ein Studium zum Wirtschaftsingenieur, das vertriebs- oder managementorientiert angelegt sein kann. Aber auch umweltorientierte Studiengänge, die den Schwerpunkt auf Verfahrenstechniken legen, seien ein Einstieg in die Branche. Wer sich jedoch für den klassischen Maschinenbau entscheidet, könne seine Schwerpunkte genauso gut setzen. Die Studenten hätten dann die Wahl zwischen Vertiefungsschwerpunkten wie Mikrotechnik, Fahrzeug- oder Flugzeugbau, Mechanik oder Konstruktionstechnik, erläutert der Studiendekan.
Span rät, sich vor einer Entscheidung zu einem Maschinenbaustudium der zunehmenden Internationalität des Jobs bewusst zu werden. «Englisch sollte man nicht unterschätzen.» Der Markt sei global. Außerdem sei ein Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften hilfreich. «Man muss aber keine Leistungskurse in den Fächern belegt haben», sagt Span. Auch sei der Maschinenbau nichts für introvertierte Tüftler. «Man muss kommunikationsfähig sein und bereit, ein großes Stück Arbeit einzubringen.» Dann seien die Zukunftschancen national und international hervorragend, auch für Frauen. «Ich habe noch keine Zeit erlebt, wo die Nachfrage so groß war. In den nächsten Jahren sehe ich da noch einen riesen Bedarf.»
Informationen:
- Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Lyoner Straße 18, 60528 Frankfurt (E-Mail: vdma@vdma.org), www.vdma.org
- Verein Deutscher Ingenieure, Postfach 101139, 40002 Düsseldorf, (E-Mail: kundencenter@vdi.de), www.vdi.de
- www.mb.ruhr-uni-bochum.de
INFO-KASTEN Jobs für Maschinenbauer vor allem im Süden Bundesweit waren Ende September 2007 dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau zufolge fast eine Million Menschen in der Maschinenbaubranche beschäftigt. Dabei zeichnet sich jedoch ein Nord-Süd- und ein Ost-West-Gefälle ab. «Die meisten Ingenieure werden in Baden-Württemberg und Bayern gesucht», sagt Sven Renkel vom Verein Deutscher Ingenieure aus Düsseldorf. Hier würden auch höhere Gehälter gezahlt, vor allem im Vergleich zum Osten Deutschlands. Dennoch sollten Interessierte die neuen Bundesländer nicht scheuen. Gerade die Unis in Dresden und Ilmenau (Thüringen) seien für ihre sehr gute Ingenieurausbildung bekannt. |